DerGitarrist Kobe Van Cauwenberghe vom Nadar Ensemble, das bei den Donaueschinger Musiktagen 2021 an der Deutschen Erstaufführung von Pierre Jodlowskis Musiktheaterstück „Alan T.“ beteiligt war © SWR/Astrid Karger Bild in Detailansicht öffnen Bild in Deta

Donaueschinger Musiktage 2022 mit spannenden Debüts
27 Uraufführungen und Klanginstallationen
13. - 16.10.2022

 

Die Donaueschinger Musiktage 2022 nehmen die lebendigen internationalen Ensemblelandschaften der zeitgenössischen Musik in den Fokus: Neben den in Donaueschingen wohlbekannten Formationen Ensemble Ascolta, Neue Vocalsolisten und Ensemble Modern aus Stuttgart bzw. Frankfurt sind die Ensembles Kwadrofonik aus Polen und Talea aus New York mit ihren Festivaldebüts zu erleben. Auch die renommierte Geigerin Carolin Widmann und der Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow treten erstmals bei den Musiktagen auf. Mit dem SWR Symphonieorchester, dem SWR Vokalensemble, der SWR Big Band und dem SWR Experimentalstudio sind alle Klangkörper des Senders beim Festival präsent. Das vollständig noch von Björn Gottstein kuratierte Programm präsentiert insgesamt 27 Uraufführungen. Das erste von der neuen Künstlerischen Leiterin Lydia Rilling entwickelte Festivalprogramm wird 2023 erklingen.

 

Schlagzeuger vom Klangforum Wien, das im Jahr 2021 zwei Konzerte zum Programm der Donaueschinger Musiktage beisteuerte © SWR/Ralf Brunner

Annäherung an Parkinson, Verschmelzung und Heterogenität

Am ersten Festivaltag widmen sich die Neuen Vocalsolisten zusammen mit Gareth Davis an der Bassklarinette in zwei Konzerten musikalischen Annäherungen an die Krankheit Parkinson: Im Auftaktkonzert geschieht das in Werken von Iris ter Schiphorst, Nikolaus Brass und Evis Sammoutis (Freitag, 14.10., 18 Uhr). Am späteren Abend erklingt in derselben Konstellation eine Dokumentaroper von Bernhard Lang mit Texten und Zeichnungen der an Parkinson erkrankten Architektin und Schriftstellerin May Kooreman (14.10., 23 Uhr). Im Eröffnungskonzert bewegen sich das SWR Symphonieorchester, die SWR Big Band und das SWR Experimentalstudio unter der Leitung von Pascal Rophé in vier ästhetisch grundverschiedenen Kompositionen von Clara Iannotta, Agata Zubel, Martin Schüttler und Thomas Meadowcroft zwischen Klangverschmelzung und größtmöglicher klanglicher Heterogenität. Agata Zubel ist selbst als Hologramm-Solistin mit dabei (14.10., 20 Uhr).

Aufführungsformen, Debüts und NOWJazz

Das Ensemble Ascolta befragt in seinem Auftritt am Samstag die Aufführungsform „Konzert“ und hat dazu Christian Winther Christensen und Rozalie Hirs eingeladen, jeweils eine Konzerthälfte kompositorisch zu gestalten (15.10., 11 Uhr). Das vielseitige New Yorker Talea Ensemble präsentiert sich mit vier denkbar unterschiedlichen Kompositionen von Mauro Lanza, Joanna Wozny, Alexander Goehr und Iris ter Schiphorst, für deren Werk Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow den Text geschrieben hat und ihn auch selbst performen wird (15.10., 14 und 17 Uhr). Das polnische Ensemble Kwadrofonik erweitert seine schon fast klassische Besetzung mit zwei Pianisten und zwei Schlagzeugern um ungewöhnliche Instrumente und Elektronik in Werken von Malte Giesen, Artur Zagajewski, Sasha Blondeau und Nigel Osborne (15.10., 14 und 17 Uhr). Die Cellistin, Improvisatorin und Komponistin Tomeka Reid, eine der innovativsten Persönlichkeiten der US-amerikanischen Musikszene, beschließt mit einem neuen Ensemble den Abend im NOWJazz mit einem sinnlichen Ausloten der verschiedensten Möglichkeiten zeitgenössischen Musizierens (15.10., 21 Uhr und 16.10., 15 Uhr).

Das SWR Vokalensemble bei der Uraufführung von Chaya Czernowins „Unhistoric Acts“ für Chor und Streichquartett bei den Donaueschinger Musiktagen 2021 © SWR/Ralf Brunner

Paralleluniversen und Raumklang

Den Festivalsonntag eröffnet das Ensemble Modern unter der Leitung von Vimbayi Kaziboni mit Hannah Kendalls extrovertierter Klangsprache und klingenden Paralleluniversen von Georg Friedrich Haas (16.10., 11 Uhr). Im Abschlusskonzert mit dem SWR Vokalensemble und dem SWR Symphonieorchester unter der Leitung von Bas Wiegers ist Carolin Widmann als Solistin in Peter Ruzickas neuem Konzert „Eingedunkelt“ für Violine, Kammerchor und Orchester zu hören, gefolgt von Werken von Arnulf Herrmann und Malika Kishino sowie Lula Romero, die mit verschiedenen Orchestergruppen den gesamten Raum der Baar Sporthalle zum Klingen bringt (16.10., 17 Uhr). 

Klangkunst und Filmdokumentation „Donau / Rauschen“

In seiner Klanginstallation „Beneath“ stellt Christian Skjødt an der Schnittstelle von Klang, bildender Kunst und Wissenschaft die Sinne durch magnetische Energie im Boden auf die Probe. Und Daniel Ott und Enrico Stolzenburg schaffen mit „Zusammen Fluss“ eine akustische Skulptur, die Donaueschingen auch über den Festivalzeitraum hinaus erhalten bleiben wird. Zudem ist die filmische Dokumentation der Landschaftskomposition Donau / Rauschen“ von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg zum 100-jährigen Jubiläum der Donaueschinger Musiktage erstmals im Kommunalen Kino Guckloch zu sehen.