Bossarenova Trio © Steffen Thalemann
Jacques Morelenmbaum © Roberto Cifarelli

JACQUES MORELENBAUM

Jaques Morelenbaum wurde 1954 in Rio de Janeiro geboren. Er ist ein brasilianischer Cellist, Komponist, Arrangeur, Dirigent und Musikproduzent. Er wuchs in einer musikalischen Familie auf. Sein Vater arbeitete als Violinist, Dirigent, Generaldirektor und künstlerischer Leiter des Theatro Municipal do Rio de Janeiro. Seine Mutter war Klavierlehrerin, sein Bruder Lucia Klarinettist des Orquestra Sinfônica Brasileira und sein Bruder Eduardo Dirigent, Komponist, Arrangeur und Klarinettist. Er studierte in Brasilien Cello, Kammermusik, Instrumental- und Chorleitung, Gesangstechnik, Komposition und Musikanalyse. Im Anschluss besuchte er das New England Conservatory of Music, wo er den ersten Cello-Lehrstuhl im Symphonieorchester des Konservatoriums innehatte und bei Madeline Foley, einer Schülerin von Pablo Casals, studierte.

In den 1970er-Jahren brachte Morelenbaum das Cello in die progressive Rockgruppe A Barca do Sol ein, wo er Material, Form, Struktur und populäre brasilianische Rhythmen synthetisierte und mit ihnen experimentierte. Jaques Morelenbaum hat auf Hunderten von Aufnahmen mitgewirkt und unter anderem mit Künstlern wie Jobim, Caetano Veloso, Gal Costa, Sting, Milton Nascimento und Chico Buarque zusammengearbeitet. 1993 begann er, mit dem japanischen Musiker Ryūichi Sakamoto aufzutreten und ist seitdem mit Sakamotos Musik auf Welttournee. Morelenbaum ist auf Sakamotos Alben „Smoochy“ und „1996“ zu hören. 1999 trat er in Sakamotos Oper „LIFE“ auf.

1995, ein Jahr nach dem Tod von Antonio Carlos Jobim, gründete Jaques Morelenbaum zusammen mit Paula Morelenbaum und Jobims Sohn Paulo und seinem Enkel Daniel das Quarteto Jobim-Morelenbaum. Das Quartett hat die Musik des verstorbenen Jobim auf der ganzen Welt aufgeführt und 1999 sein erstes Album herausgebracht. Als Mitglied von Jobims Nova Banda („Neue Band“) wirkte Morelenbaum 1994 an dem mit einem Grammy ausgezeichneten Album „Antonio Brasileiro“ mit. In den Jahren 1992 und 1993 arbeitete er mit Egberto Gismonti an den Alben „Infancia“ und „Musica de Sobrevivencia“, 2001 mit Sting an dessen Album und DVD „All This Time“. Morelenbaum hat sich zu einem der gefrag- testen Arrangeure der brasilianischen Plattenindustrie entwickelt. Seine Arbeit erstreckt sich über die Grenzen Brasiliens hinaus auf die Zusammenarbeit mit so erfolgreichen Künstlern wie Cesaria Evora von den Kapverden, Clara Montes und Presuntos Implicados aus Spanien, Dulce Pontes und Rui Veloso aus Portugal, Choro Club und Gontiti aus Japan und David Byrne aus den USA.

Jaques Morelenbaum selbst hat Dutzende von Alben herausgebracht. Für Jobim produzierte er „Passarim“. Zu seinen acht Alben für Caetano Veloso gehören „Circulado Vivo“, „Fina Estampa“, „Fina Estampa ao vivo“, „Tieta do Agreste“, „Livro“ (gewann 2000 den Grammy als bestes Weltmusik-Album), „Prenda Minha“ und „Noites do Norte“ sowie „Noites do Norte ao vivo“. Morelenbaum hat auch Gal Costas „Mina d‘Água do Meu Canto“ und Joao Boscos „Na Esquina“ produziert.

Als Filmkomponist ist Morelenbaum international vor allem für seine Filmmusik (zusammen mit Antonio Pinto) für Walter Salles‘ gefeiertes Drama „Central Station“ (Im Original „Central do Brasil“) bekannt, das 1998 den Hauptpreis der Berliner Filmfestspiele und eine Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film erhielt. Zusammen mit Caetano Veloso schuf er auch die Musik für Fabio Barretos „O Quatrilho“ (1995).

Jacques Morelenbaum ist mit der Sängerin Paula Morelenbaum verheiratet.

Paula Morelenbaum

PAULA MORELENBAUM

Regina Paula Martins Morelenbaum (* 31. Juli 1962 in Rio de Janeiro; geb. Martins) ist eine brasilianische Sängerin. Sie vertritt den brasilianische Bossa nova. Zusammen mit ihrem Ehemann Jaques Morelenbaum war sie zehn Jahre lang Mitglied der „Novada Banda“ von Antônio Carlos Jobim. Als Sängerin singt sie international in zahlreichen Formationen. Ihre Stimme wird als sanft, melancholisch und ergreifend beschrieben.Von frühester Jugend an war Paula Morelenbaum mit Bossa-Musik in Kontakt, da ihr Vater, ein Architekt, deren Melodien und Rhythmen häufig auf der akustischen Gitarre spielte.1980 sang Paula Morelenbaum im Vokalensemble „Céu da Boca“. Von 1984 bis zum Tode Jobims 1994 war sie zusammen mit ihrem Ehemann Jaques Morelenbaum Mitglied in dessen Nova Banda. Daneben wirkte sie 1989 auch als Sängerin im Musical „Lamartine para inglêz ver“ unter Antonio de Bonis mit. Der Name Morelenbaum entstammt der jüdisch-polnischen Herkunft ihres Mannes: Die Morelle oder Weichselkirsche ist eine Sauerkirsche mit viel Fruchtsäure.Ihr erstes Soloalbum „Paula Morelenbaum“ wurde von ihrem Ehemann Jaques Morelenbaum produziert und 1992 veröffentlicht. Das Album gewann einen Sharp Music Award Brasilien 1994. Mit der Musikshow „Chica-chica-boom-chic“ mit eigenen, zeitgemäßen Arrangements von Liedern der Sängerin Carmen Miranda bereiste Morelenbaum 1994 Brasilien. Seit Ende der 1990er-Jahre sang sie im Quarteto Jobim-Morelenbaum mit ihrem Ehemann Jaques (Cello), Jobims Sohn Paulo (Gitarre und Gesang) und Jobims Enkel Daniel (Piano und Gesang). Das Repertoire baute auf dem Schaffen und Werk von Antônio Carlos Jobim auf.Im Trio Morelenbaum2/Sakamoto musizierte das Ehepaar Morelenbaum zusammen mit Ryuˉichi Sakamoto. Das Ensemble spielte 2001 die CD „Casa“ mit unbekannteren Werken von Antônio Carlos Jobim ein – aufgenommen im ehemaligen Wohnhaus Jobims in der Nähe von Rio de Janeiro.Das zweite Soloalbum von Paula Morelenbaum, „Berimbaum“, erschien im Jahr 2004 und war eine Achtungsbezeugung an den brasilianischen Dichter und Gitarristen Vinícius de Moraes. Sämtliche Texte stammen von ihm, der unter den Songpoeten Brasiliens herausragte. Die Musik hingegen umfasste neue Sounds, eine Mixtur von Bossa mit Elektronik. Der Albumtitel ist ein Wortspiel aus „Berimbau“, einem einsaitigen Musikbogen, und dem Familiennamen der Künstlerin, Morelenbaum. Das 2008 folgende Album „Telecoteco“ ist einem brasilianischen Szenewort der 1950er für Swing zu verdanken. Inhaltlich entsprang es Morelenbaums Erforschung der Bossa-Songs der 1940er- und 1950er-Jahre. Stilistisch-musikalisch ist es wiederum eine Integration akustischer und elektronischer Sounds. Die Sängerin war mit der Trio-Band aus Trompeter Joo Kraus und Pianist Ralf Schmid, die 2009 das Album „Bossarenova“ eingespielt hatte, vielfach in Deutschland auf Tournee. Unter anderem trat sie 2011 auf dem Festival Bardentreffen in Nürnberg auf, ebenso, wie mit Ehemann und Sakamoto als Trio oder in großer Besetzung beim BossaBrasil Festival 2012 in der New Yorker Carnegie Hall.

Paula Morelenbaum ist mit dem Cellisten und Komponisten Jacques Morelenbaum verheiratet. Sie haben eine gemeinsame Tochter.

Ralf Schmid by Gregor Hohenberg

RALF SCHMID – PYANOOK 

Schmid (*1969 in Deutschland) studierte Filmmusik, Jazzpiano und Komposition in Stuttgart, New York und Los Angeles. Als Pianist und Komponist ist er ein passionierter Klangsucher ohne Scheu vor dem Risiko: ein Avantgardist im ursprünglichen Sinne des Wortes. In den USA und Europa hat er mit Musiker:innen wie Herbie Hancock, Daniel Hope und Whitney Houston gearbeitet. Schmid will musikalisch Neues aufdecken und vermitteln, bleibt dabei konsequent seiner eigenen Sprache treu, erweitert sie gar stetig. Egal, ob er mit Rundfunk-Big-Bands in Berlin oder Hamburg arbeitet, sein Musiktheater „A Distant Drum“ in der New Yorker Carnegie Hall aufführt oder sich gemeinsam mit Ivan Lins und Paula Morelenbaum mit brasilianischer Musik beschäftigt – es geht ihm immer um künstlerische Ganzheitlichkeit.