Richie Beirach und Gregor Hübner © ACT, Laura Carbone

Richie Beirach & Gregor Hübner

Richie Beirach und Gregor Hübner verbindet eine unersättliche Neugierde und Improvisa- tionslust sowie ihre Liebe zur Rhythmik, aber auch zum Spiel mit klassischen Formen. Das mitreißende Konzert ist Bestandsaufnahme und Querschnitt ihrer langjährigen Zusammenarbeit. Richie Beirach und Gregor Hübner konzertieren im Duo seit 24 Jahren. Gemeinsam sind sie in Asien, Europa und den USA aufgetreten, was auch auf zahlreichen CD-Aufnahmen, angefangen mit „The Snow Leopard“ beim Label Evidence, dokumentiert ist. Zwischen 1999 und 2003 haben die beiden zusammen mit George Mraz die von der Presse hochgelobte Reihe, Round About Bartok, Round About Frederico Mompou und Round About Monteverdi für das ACT Label aufgenommen und waren unter anderem für den Grammy nominiert. Zwei Duo- Aufnahmen, New York Rhapsody und Duality, zeigen die Fähigkeit des Duos, sich zwischen der klassischen modernen Musik und der Improvisation im Jazz frei bewegen zu können. Verbindendes Element der verschiedenen Musikstile ist die delikate Balance zwischen dem vorgeschriebenen Material und der Spontanität. 

Selbst eine höchst komplizierte, aufs Äußerste genau notierte Vorlage bedarf nämlich der Seele und der Energie des Künstlers, um der Komposition im Konzert Atem zu geben und Raum zu verschaffen. Dabei kann der kleinste musikalische Impuls eine Komposition beleben und sie so auf eine höhere Ebene heben. In diesem mystisch grauen musikalischen Bereich bewegen sich Beirach und Hübner mit ihrem Duo und gehen einen unmissverständlichen klaren Weg. Von einem traditionellen Modell ausgehend wird das Bestehende neu definiert und neu modelliert. Beide sehen das Konzertieren im Duo als Komponisten und Instrumentalisten. Beide nehmen das vorgeschriebene Material sehr ernst, sind aber bereit, impulsiv in ihrer Improvisation und im Moment alles zu vergessen und die Intuition führen zu lassen.

Als Opening Act beim Konzertabend von Beirach und Hübner wird der mit dem Jazz-Förder-Preis des Kulturforums Schleswig-Holstein 2019 ausgezeichnete Nachwuchspianist Ilja Ruf auftreten, dessen erstes Album bereits von Beirach für seine Vielseitigkeit und Kreativität gelobt wurde. Dort finden sich Klavier-Solo-Stücke von lyrischem, kammermusika- lischem Jazz bis zu Bebop sowie Songs über Freundschaften, Gefühle und Aufbruch. Der Zwanzigjährige kombiniert verschiedene Stile: Popsongs, Jazztunes und Kompositionen mit einem kammermusikalischen Ansatz. Jeder Track erzählt seine eigene Geschichte.

Richie Beirach © ACT, Laura Carbone

RICHIE BEIRACH

Beirach (*1947 in New York City) gehört zu den bedeutendsten Pianisten der Jazzgeschichte, sowohl als einer der Pioniere stiloffener, auf Klassik zurückgreifender Improvisation als auch als einer der energetischsten Tastenvirtuosen. Bereits im Alter von fünf Jahren begann Beirach, Klavierunterricht zu nehmen und entdeckte im Teenageralter seine Leidenschaft für Jazz und Improvisation. Später studierte er am Berklee College Of Music und an der Manhattan School Of Music. Sein erstes Soloalbum „Hubris“ veröffentlichte er 1977 und wurde 1981 Gründungsmitglied von „Quest“, einem der wichtigsten Ensembles seiner Zeit, in dem auch seine langjährigen Wegbegleiter Billy Hart am Schlagzeug und George Mraz am Bass mitwirkten. 1996 stieß ein junger Geiger dazu, der zu seinem wohl wichtigsten Begleiter werden sollte: Gregor Hübner.

Gregor Hübner © ACT, Laura Carbone

GREGOR HÜBNER

Hübner (*1967 in Stuttgart) studierte klassische Violine in seiner Heimatstadt und in Wien, bevor er für ein Klavier- und Kompositionsstudium an der Manhattan School of Music in die USA übersiedelte und den Jazz für sich entdeckte. Inzwischen lebt er seit 23 Jahren in New York City. Als einer der wenigen Deutschen schaffte er den Durchbruch in der heißumkämpften amerikanischen Szene, trat bereits in der Carnegie Hall auf und wurde 2017 mit dem Grand Prize des New World Composers Competition der New Yorker Philharmoniker ausgezeichnet. Durch die Zusammenarbeit mit Richie Beirach und George Mraz sind drei von der Kritik hoch gepriesene Alben entstanden, darunter das Latin Grammy-nominierte Album „Round About Federico Mompou“. Der Geiger Gregor Hübner und der Pianist Richie Beirach sind zwei Brüder im Geiste und haben viele erstaunliche Parallelen. Beide Musiker leben in New York, beide haben sowohl klassische Musik als auch Jazz studiert und beide loten die Grenzen der zeitgenössischen Musik jenseits aller Genregrenzen aus. Dazu haben sie am gleichen Tag Geburtstag.