EDWARD HOPPER, CAPE COD MORNING, 1950 Öl auf Leinwand 86.7 x 102.3 cm Smithsonian American Art Museum, Gift of the Sara Roby Foundation © Heirs of Josephine Hopper / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Foto: Smithsonian American Art Museum, Gene Young

Riehen/Basel (CH)

Edward Hopper
26.1. - 17.5.2020

Edward Hopper (1882–1967) gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. In Europa vor allem für die Ölgemälde mit Szenen des städtischen Lebens bekannt, die er in den 1920er- bis 1960er- Jahren schuf und von denen einzelne Werke ausserordentlich populär wurden, ist es verwunderlich, dass seine Landschaftsbilder bisher weniger beachtet wurden. Überraschenderweise gab es bisher noch keine Ausstellung, die sich umfassend mit Hoppers Blick auf die amerikanische Landschaft auseinandergesetzt hat. Vom 26.1. bis 17.5.2020 präsentiert die Fondation Beyeler nun eine umfangreiche Ausstellung mit ikonischen Landschaftsgemälden in Öl sowie einer Auswahl an Aquarellen und Zeichnungen. Erstmals werden zudem Hoppers Werke in einer Ausstellung in der deutschsprachigen Schweiz gezeigt.

EDWARD HOPPER LEE SHORE, 1941 Öl auf Leinwand 71.8 x 109.2 cm The Middleton Family Collection © Heirs of Josephine Hopper / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Foto: © 2019. Photo Art Resource / Scala, Florence

Hopper wurde in Nyack, New York, geboren. Nach einer Ausbildung zum Illustrator studierte er bis 1906 Malerei an der New York School of Art. Neben der intensiven Beschäftigung mit deutscher, französischer und russischer Literatur boten besonders Maler wie Diego Velázquez, Francisco de Goya, Gustave Courbet und Édouard Manet dem jungen Künstler wichtige Orientierungspunkte. Obwohl Hopper lange Zeit hauptsächlich als Illustrator arbeitete, erlangte er vor allem Berühmtheit mit seinen Ölgemälden, die von seinem grossen Interesse an Farbwirkung und seiner Virtuosität in der Darstellung von Licht und Schatten zeugen. Darüber hinaus vermochte Hopper es, aus seinen Beobachtungen, eine Ästhetik zu begründen, die nicht nur die Malerei, sondern auch die Populärkultur, die Fotografie und den Film stark beeinflusst hat.

Als mit Cape Ann Granite ein Landschaftsbild von Edward Hopper aus dem Jahr 1928 als Dauerleihgabe Eingang in die Sammlung der Fondation Beyeler fand, entstand die Idee zu dieser Ausstellung. Das Werk war jahrzehntelang Teil der berühmten Rockefeller-Sammlung und entstammt einer Zeit, als Hopper seitens der Kritiker, Kuratoren und der Öffentlichkeit zunehmend Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde. Dies manifestierte sich 1929 nicht zuletzt auch in der Einladung zur Teilnahme an der zweiten Ausstellung des Museum of Modern Art in New York mit dem Titel Paintings by Nineteen Living Americans.

COBB’S BARNS AND DISTANT HOUSES, 1930–1933 Öl auf Leinwand 74 x 109.5 cm Whitney Museum of American Art, New York, Vermächtnis Josephine N. Hoppe © Heirs of Josephine Hopper / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Foto: © 2019. Digital image Whitney Museum of American

In der kunsthistorischen Tradition bedeutet „Landschaft“ ein Bild der Natur im Gegensatz zu der sich ständig verändernden „Natur“, die als solche nicht als Bild fixiert werden kann. Landschaft gibt immer den Einfluss des Menschen auf die Natur zu erkennen, und Hoppers Bilder spiegeln dies auf subtile und vielfältige Weise wider. So eröffnete er einen ausgeprägt modernen Zugang zu einem altehrwürdigen Genre der Kunstgeschichte. Im Unterschied zur akademischen Tradition muten Hoppers Landschaften unbegrenzt an; sie sind – gedanklich – unendlich und scheinen immer nur einen kleinen Teil eines enorm grossen Ganzen zu zeigen.

Hoppers amerikanische Landschaften sind geometrisch klare Kompositionen. Hauptelemente sind Häuser, welche menschliche Besiedlung versinnbildlichen. Eisenbahnen strukturieren die Bilder horizontal und stehen für das Streben des Menschen, die Weite des Raumes zu durchmessen. Ein ausgedehnter Himmel ebenso wie besondere Lichtstimmungen, strahlendes Mittagslicht und das Licht der Dämmerung machen die Grösse der sich stetig wandelnden Natur auch in einem eigentlich statischen Landschaftsbild anschaulich. Ein Leuchtturm etwa wird dabei zu einem Bezugspunkt in der Weite von Meer und Küste.

Hoppers Landschaftsgemälde evozieren den Eindruck, es ginge eigentlich um etwas Unsichtbares, das sich ausserhalb der Darstellung ereignet. Beispielhaft dafür ist sein Gemälde Cape Cod Morning von 1950: Die aus einem Erker blickende Frau, auf deren Gesicht sich Sonnenlicht abbildet, sieht etwas, das vom Betrachter nicht gesehen werden kann, weil es sich ausserhalb des Bildraums befindet. Den sichtbaren Landschaften Hoppers stehen immer unsichtbare, im Inneren des Betrachters erscheinende subjektive Landschaftsbilder gegenüber.

EDWARD HOPPER, GAS, 1940 Öl auf Leinwand 66.7 x 102.2 cm The Museum of Modern Art, New York, Mrs. Simon Guggenheim Fund © Heirs of Josephine Hopper / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 © 2019 Digital image, The Museum of Modern Art, New York / Scala, Florence

Die Landschaften von Edward Hopper sind, wie alle seine Gemälde, von Melancholie und Einsamkeit bestimmt. Oft vermitteln sie das Gefühl von Unheimlichkeit und Bedrohung. Hopper macht in seinem Werk auch das manchmal brutale Eindringen des Menschen in die Natur sichtbar, indem er Landschaft zu Stadtlandschaft in Beziehung setzt. Hopper trug wesentlich dazu bei, die Idee eines melancholischen, auch von den dunklen Seiten des Fortschritts geprägten Amerikas zu etablieren – als riesiger unbegrenzter Raum, der vor allem durch seine Entwicklung im Kino enorm populär werden sollte, von Alfred Hitchcocks Der unsichtbare Dritte (1959) über Wim Wenders’ Paris, Texas (1984) bis hin zu Kevin Costners Dances with Wolves (1990).

Als besonderes Highlight der Ausstellung hat der Filmregisseur Wim Wenders einen 3D-Kurzfilm mit dem Titel Two or Three Things I Know about Edward Hopper realisiert, der in einem eigenen Screeningraum gezeigt wird. Der Film ist Wenders’ persönliche Hommage an Edward Hopper, der ihn nachhaltig beeindruckt und sein filmisches Schaffen beeinflusst hat. Auf der Suche nach dem „Hopper Spirit“ reiste er durch die USA. Was Wenders dort aufnahm, hat er zu diesem eigens für die Ausstellung konzipierten Film verdichtet. Sein Film wird bei der Eröffnung unserer Ausstellung seine Premiere feiern. Er macht auf poetische und anrührende Weise deutlich, wie viel das Kino Edward Hopper verdankt, wie sehr aber Hopper auch vom Kino beeinflusst wurde.

Die Ausstellung umfasst 65 Werke des Künstlers aus den Jahren 1909 bis 1965 und wird organisiert von der Fondation Beyeler in Kooperation mit dem Whitney Museum of American Art, New York, in dessen Beständen sich die weltweit grösste Hopper-Sammlung befindet.

Die Ausstellung wird grosszügig unterstützt durch:

Beyeler-Stiftung
Hansjörg Wyss, Wyss Foundation

Fondation BNP Paribas Suisse LUMA Foundation
Terra Foundation for American Art

Ausstellungsvorschau

GOYA
17.5. - 16.8.2020

Die Fondation Beyeler widmet Francisco de Goya (1746–1828) eine der bisher bedeutendsten Ausstellungen ausserhalb Spaniens. Goya ist einer der letzten grossen Hofkünstler und der erste Wegbereiter der modernen Kunst. Er ist sowohl Maler eindrücklicher Porträts als auch Erfinder rätselhafter persönlicher Bildwelten. Gerade aus dieser unauflösbaren Widersprüchlichkeit bezieht Goyas Kunst ihre magische Faszination. In seinem mehr als 60 Jahre währenden Schaffensprozess, der den Zeitraum vom Rokoko bis zur Romantik umspannt, zeigt Goya Begebenheiten, die aus den gesellschaftlichen Konventionen herausführen. Goya stellt Heilige und Verbrecher, Hexen und Dämonen dar, um das Tor zu Welten aufzustossen, in denen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Goya ist in seiner Kunst der scharfsinnige Beobachter des Dramas von Vernunft und Unvernunft, von Träumen und Albträumen. Es ist gelungen, für die Ausstellung über 70 Gemälde und eine Auswahl meisterhafter Zeichnungen und Druckgrafiken zu versammeln, die die Besucher zu einer Begegnung mit dem Schönen wie auch dem Unfassbaren einladen.

Courtesy Atelier Peter Zumthor & Partner

Erweiterungsbau

MUSEUM IM NEUEN PARK

«ICH VERSUCHE GEBÄUDE ZU BAUEN, DIE GELIEBT WERDEN.»
PETER ZUMTHOR

Die Fondation Beyeler hat sich in den letzten 20 Jahren zum beliebtesten Kunstmuseum der Schweiz entwickelt. Mit ihrem Programm trägt sie wesentlich zur Lebensqualität, zur Standortattraktivität und zur kulturellen Bildung in unserer Region bei. Besucherinnen und Besucher kommen aus nah und fern, um sich die eindrucksvollen Ausstellungen anzusehen, an den abwechslungsreichen Veranstaltungen teilzunehmen sowie den schönen Park zu geniessen. Damit die Fondation Beyeler auch zukünftig die Bedürfnisse der Kunst wie des Publikums erfüllen kann, plant sie eine Erweiterung. 

Bereits zwei Jahre nach ihrer Eröffnung 1997 wurde der Museumsbau von Renzo Piano ausgebaut, um neben der renommierten Kunstsammlung auch regelmässig temporäre Ausstellungen präsentieren zu können. Der Museumsgründer Ernst Beyeler sah schon damals den Bedarf für zusätzlichen Raum voraus und erachtete das bislang ungenutzte Südende des Grundstücks entlang dem Bachtelenweg als ideal für eine Erweiterung. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass aus dem Wunsch eine Notwendigkeit wird. 

Ein Museum des 21. Jahrhunderts ist nicht mehr nur ein Ort für Objekte, sondern auch für Menschen. Es ist ein sozialer Raum, in dem alleine oder gemeinsam mit anderen Erfahrungen gemacht werden können. Menschen kommen ins Museum, um sich zu bilden, zu unterhalten, zu erholen, sich zu treffen und auszutauschen. Kulturelle Veranstaltungen und Kunstvermittlung sind zu einem zentralen Teil des besucherfreundlichen Museums geworden. Im Museumsbau von Renzo Piano existieren dafür jedoch keine geeigneten Räume, weshalb Veranstaltungen und Anlässe in den Ausstellungsräumen durchgeführt werden müssen. Dies ist nur mit grossem organisatorischem und technischem Aufwand, unter erheblichen Einschränkungen und mit zusätzlichen Kosten möglich. Das ist ein zentraler Grundfür die geplante Erweiterung. Ein anderer ist der Mangel an Räumen, um neben dem aktiven Ausstellungsprogramm auch die stetig wachsende Sammlung von Meisterwerken der modernen und zeitgenössischen Kunst permanent präsentieren zu können. Auch fehlt es an Platz für Schenkungen und Dauerleihgaben von Künstlern, Künstlernachlässen und Privatsammlungen. Von daher ist die geplante Erweiterung für die erfolgreiche Entwicklung der Fondation Beyeler essenziell.

Die einzigartige Chance zur Erweiterung ergibt sich nun durch den Erwerb des benachbarten Iselin-Weber-Parks. Dieser schliesst im Süden beim Museumsrestaurant an den Park der Fondation Beyeler an, von dem er nur durch eine kleine Sackgasse, den Bachtelenweg, getrennt ist. Das Erweiterungsprojekt ist entlang des Bachtelenwegs geplant, wodurch eine Verbindung beider Parks möglich wird. Der ebenso grosse wie schöne, aber bisher private Iselin-Weber-Park mit seinen alten Bäumen und einem Seerosenteich kann damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Durch die Erweiterung entsteht im Herzen von Riehen ein neuer grüner Erholungsraum für alle. Die Verbindung zwischen der Fondation Beyeler und dem Dorfzentrum wird gestärkt. Wie bisher bleibt der Bachtelenweg für Anwohner, Landwirte, Velofahrer und Spaziergänger zu den Langen Erlen hin offen. 

Das Besondere am Projekt von Peter Zumthor ist, dass er nicht ein grosses Museumsgebäude vorschlägt, sondern drei kleinteilige Bauten, die sich dem Dorfcharakter von Riehen anpassen und sich harmonisch in die umliegende Landschaft integrieren. Geplant ist ein schlichtes Gebäude für Administration und Anlieferung, ein Haus für Kunst sowie ein ebenerdiger, transparenter Gartenpavillon für Veranstaltungen. Gemeinsam schaffen sie eine kluge Verbindung zwischen beiden Parks. 

Courtesy Atelier Peter Zumthor & Partner