Herta Müller © Stephanie von Becker

Baden (CH)

Herta Müller – Der Beamte sagte
bis 5.12.201

Das Museum Langmatt zeigt die erste Ausstellung der Collagen von Herta Müller in der Schweiz. Die Autorin wurde 1953 in Nitchidorf/Rumänien geboren, lebt seit 1987 in Berlin und gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen der Gegenwart. Hauptthema sind ihre furchtbaren Erlebnisse während der kommunistischen Diktatur in Rumänien. In zahlreichen Romanen und Gedichten beschreibt Herta Müller bildhaft, wie jahrzehntelange Überwachung, staatliche Bevormundung, Inhaftierung und Folter die Menschen verändern und zerrütten. 2009 wurde Herta Müller der Literaturnobelpreis verliehen.

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet die Autorin an ihren Collagen, einem mittlerweile gewaltigen Konvolut von über 1600 Unikaten. Wort für Wort schneidet sie aus Zeitungen und Zeitschriften aus und klebt sie auf postkartengrossen Karten zu Gedichten mit hoher visueller Präsenz zusam- men. In der Langmatt zeigt sie rund 140 neue Collagen, die sich erstmals in ihrem Werk inhaltlich aufeinander beziehen und so etwas wie eine lyrische Autobiografie formulieren, ausgehend von ihrer Ankunft 1987 in einem westdeutschen Auffanglager. Anstatt endlich der Überwachung ent- kommen zu sein, wurde Herta Müller durch Diffamierung von Landsmannschaften als rumänische Agentin verdächtigt. Im verstörenden Gespräch mit dem Beamten entzündet sich erneut das Trauma der Vergangenheit.


Ausstellungsansicht Herta Müller – Der Beamte sagte, 2021, Museum Langmatt, Baden

In der Langmatt werden die kleinformatigen Werke eng aneinandergereiht als lange Linie zu sehen sein. Blatt für Blatt folgt man der luziden Poesie und ihrer Fähigkeit, das Unsagbare zu berühren. Herta Müller übersetzt die schrecklichen Ereignisse in unerwartet zarte Bilder. So klein im Format, so gewaltig gross ist diese unvergleichliche Welt. Langmatt-Direktor Markus Stegmann: «Wir freu- en uns, eine Literaturnobelpreisträgerin mit einer seltenen Doppelbegabung zeigen zu dürfen. Die Collagen Herta Müllers balancieren zwischen kindlicher, manchmal heiterer Zerbrechlichkeit und abgrundtiefem Schrecken. Eine erschütternde Fahrt in den finsteren Untergrund der Menschheit.»

In der Langmatt spielten Sprache und Text bereits zu Zeiten der Familie Brown Anfang des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Das Museumsarchiv enthält beispielsweise umfangreiche Kon- volute an Briefen und Tagebüchern von Jenny Brown. Markus Stegmann: «In den letzten Jahren haben wir den Faden wieder aufgenommen und zeigen die heute durchlässig gewordenen Gren- zen zwischen Kunst und Sprache. Gerade für jüngere Kunstschaffende besitzt Sprache eine grosse Faszination und führt zu neuartigen, interdisziplinären Werken.» 2018 brachte die Ausstellung Stimmen der Zimmer die Wohnräume der Langmatt überraschend zum Sprechen. Und letztes Jahr installierte Sandra Senn im ganzen Haus und im Park kurze, lyrische Sentenzen, die das Publikum auf eine geheimnisvolle Zeit- und Entdeckungsreise führten.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit allen Collagen der Ausstellung:
Herta Müller: Der Beamte sagte, Carl Hanser Verlag, München 2021, 164 Seiten, CHF 33.90

Museum Langmatt | www.langmatt.ch

Friedrich Dürrenmatt, ca. 1979. Foto: Edouard Rieben

Neuchâtel (CH)

100 Jahre Friedrich Dürrenmatt 2021

Am 5. Januar 2021 wäre Friedrich Dürrenmatt 100 Jahre alt geworden. Der Schweizer Schriftsteller und Maler, 1921 in Konolfingen geboren und 1990 in Neuenburg gestorben, hat seinen Nachlass 1990 der Schweizerischen Eidgenossenschaft geschenkt: Das Centre Dürrenmatt Neuchâtel und das Schweizerische Literaturarchiv – beide Institutionen der Schweizerischen Nationalbibliothek, die ihre Gründung massgeblich Dürrenmatt zu verdanken haben – feiern den Schriftsteller und Künstler mit Ausstellungen, Veröffentlichungen, Vermittlungsaktivitäten und Lehrveranstaltungen. Anlässlich seines 100. Geburtstages wird Dürrenmatt von zahlreichen weiteren Institutionen in der Schweiz und im Ausland gefeiert.

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Kassel

Die GRIMMWELT Kassel veröffentlicht „Storytelling“,
eine Publikation über das Erzählen in der Kunst heute

Die GRIMMWELT Kassel feiert ihr fünfjähriges Jubiläum mit der deutsch-englischen Publikation „Storytelling“, erschienen bei modo, Freiburg i.Br. (256 Seiten, rund 120 Abb.). Zweiundzwanzig künstlerische Positionen übermitteln in vier Kapiteln Geschichten und Informationen: Einblick in die Entstehungsgeschichte der Werke und den künstlerischen Hintergrund geben neunzehn Interviews der Kunstschaffenden. Das Spektrum reicht von Malerei und Zeichnung, über Skulptur, Installation und Fotografie bis hin zu elektronischen Medien. Präsentiert wurde die Publikation erstmals am 30. September 2020 in der GRIMMWELT Kassel. Die GRIMMWELT Kassel feiert ihr fünfjähriges Jubiläum mit der Publikation „Storytelling“ und hat sich damit ganz und gar dem Thema „Erzählen“ verschrieben. Bis zum heutigen Tag gelten die Brüder Grimm als die bekanntesten deutschen Märchensammler. Weltweit gehören ihre Geschichten, Motive und Figuren zum kulturellen Gedächtnis und inspirieren Künstlerinnen und Künstler immer wieder aufs Neue. Daher forderte die GRIMMWELT Kassel passend zum Jubiläum des Hauses bildende Künstlerinnen und Künstler auf, auf den Spuren der Brüder Grimm zu wandeln und innovative Werke der narrativen Kunst einzureichen. Aus über 400 Einreichungen zum Open Call suchte die Jury zweiundzwanzig internationale Kunstschaffende aus, die das Thema „Storytelling“ besonders treffend dargestellt haben. So geht es auch weniger um das Wort an sich, als um die Narration in der visuellen Gegenwartskunst.

Storytelling , Hg. Peter Stohler und Yvan Sikiaridis, GRIMMWELT Kassel. Mit Texten von Hannes Brunner, Yvan Sikiaridis und Peter Stohler. 256 Seiten, 113 Abb., Deutsch / Englisch.
12 x 17 cm, Softcover, Fadenheftung, EUR 19,80
ISBN 978-3-86833-293-3, Erscheint im Verlag modo, Freiburg i.Br., 2020

www.grimmwelt.de
www.modoverlag.de

© AKJ/Iris Anemone Paul

Deutscher Jugendliteraturpreis 2020

Die Nominierungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 liegen vor. Hier finden Sie alle Informationen zu den nominierten Büchern:

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DIE KUNSTBUCHHANDLUNG –
EIN GROSSES MUSEUM 

Wo kann man an einem Tag, an einem Ort sowohl im Centre Pompidou in Paris, im Prado in Madrid, an der Kunstbienna- le Venedig oder im Guggenheim Museum New York zugleich sein? In einer gut sortierten Kunstbuchhandlung! Sie sind Orte des Stöberns und Entdeckens. Räume, in denen sich einem Künstler, Kunststile und Zusammenhänge erschließen. Ein Platz, an welchem man Verpasstes durch einen Blick in den Katalog nachreist, durch die Ausstellung geht und das Buch nicht mehr aus der Hand legt, kauft und es in seinen eigenen „Kunstschatz“ aufnimmt. Kunstbuchhandlungen sind wie ein einziges großes Museum. Man erfreut sich an Entdeckungen wie „Treffen sich zwei Künstler“ von Milen Till & Martin En-gel, erklärt „My Name ist Charles Saatchi and I am an artoholic“ zu seinem ständigen Begleiter oder erinnert sich daran, wo man auf Thea Herolds wunderbares Buch „Auf meine Art“ gestoßen ist. Entdeckungen, Lieblingsbücher, Wegbegleiter. Eine Konstante in der Kunstbuchwelt ist die Buchhandlung König aus Köln, die neben ihrem Stammhaus in Köln in vie- len Museen in Europa die Kunstbuchhandlung und den Mu- seumsshop betreibt. Andere lieb gewonnenen wie die Kunst- und Architektur Buchhandlung von Orell Füssli im Zürcher Niederdorf oder die Kunstbuchhandlung Goltz in München mussten schließen oder wurden aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst. Goltz nach 150 Jahren Familientradition. Wir ha- ben mit Franz König über das Kunstbuch und das Kunstbuch- geschäft gesprochen. 

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