Die Themenfestivals
„Vom Leben – Über Leben“

4.–6. November 2022
Weißenfels I Zeitz I Dresden I Bad Köstritz I Gera

11.–27. November Magdeburg

Ein mitteldeutsches MusikFest für den Sagittarius
Der glanzvolle Abschluss des Festjahres SCHÜTZ22 – „weil ich lebe“

Noch einmal wird auf eine besondere musikalische, kulturgeschichtliche und intermediale Weise das epochemachende Werk des Sagittarius’ erkundet und dessen Bedeutung für uns heute, im 21. Jahrhundert, ergründet. Hochkarätig besetzte Konzerte, Vorträge, Führungen, Gottesdienste, Ausstellungen, Tagungen, Workshops und Klanginstallationen spannen dabei einen weiten Bogen auf. Die in einer breiten Kooperation mit zahlreichen, ganz unterschiedlichen Partnern realisierten Themenfestivals „Vom Leben – Über Leben“ anden zentralen authentischen und auratischen Schütz-Orten Mitteldeutschlands – Bad Köstritz, Gera, Weißenfels, Zeitz, Dresden und Magdeburg – gestalten so ein grandioses und glanzvolles wie vielstimmiges Finale für das Festjahr SCHÜTZ22 – „weil ich lebe“.

Heinrich Schütz strahlte als „Lumen Germaniae“ – als Licht Deutschlands – weit auch über sein Jahrhundert hinaus. Was umso bemerkenswerter ist, da 30 seiner 41 aktiven Kapellmeisterjahre von den dunklen Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs geprägt waren. Dennoch kündet seine Musik vom Leben, sie erzählt von Geburt und Tod, vom Überleben, von Trauer und Trost, Hoffnung, Zuversicht, Liebes- und Lebensfreude.

An historisch bedeutsamen wie atmosphärisch einmaligen Orten begegnen wir diesen wunderbaren Zeugnissen mitteldeutscher Kultur. Gleichzeitig wird in der Verbindung von Werken des 17. Jahrhunderts mit Neuer Musik und hochmoderner 3D-Audio-Sound-Technik ein nachhaltiger Impuls gesetzt für eine zeitgemäße Beschäftigung mit diesem faszinierenden kulturellen Erbe. In der Verbindung von Tradition und Moderne markiert dieses vielteilige, Ländergrenzen überspannende Festival einen abschließenden Höhepunkt des Schütz-Jubiläumsjahres 2022.

Heinrich Schütz Musikfest Bad Köstritz, Kirche St. Leonhard | Foto: Mathias Marx

Die Höhepunkte in Bad Köstritz und Gera

Konzerte mit dem Ensemble SING & SIGN, dem Johann Rosenmüller Ensemble und Voces Suaves markieren die Höhepunkte des Festivals in Bad Köstritz und Gera.

Für hörgeschädigte Menschen ist Musik gewöhnlich kaum zugänglich. Die Sopranistin Susanne Haupt wollte sich damit nicht abfinden und gründete das Ensemble SING & SIGN, in welchem hörende und hörgeschädigte Akteure gemeinsam Werke von Johann Sebastian Bach erarbeiten. So entstanden audiovisuell und mit Hinzunahme von Gebärden erarbeitete Aufführungen, die auch Hörenden eine neue Dimension des Musikerlebens erschließen. Nun beschäftigt sich das Ensemble erstmals mit Schütz und bringt ein Programm zu Gehör und vor die Augen, das berührender kaum sein kann (4. November).

Moritz von Hessen, genannt „der Gelehrte“, Förderer und Mäzen nicht nur für Heinrich Schütz, Kunstsammler, Architekt, Musik- und Theaterliebhaber, Dichter und Komponist, feiert 2022 seinen 450. Geburtstag. Ihm zu Ehren hat sich Arno Paduch erneut tief in die Archive und Quellen gegraben, wahre musikalische Schätz und gehoben und ein Programm konzipiert, das den musikalischen Kosmos rund um den Landgrafen erstrahlen lässt (5. November).

Es sind ebenso klangschöne wie zu Herzen gehende Trauer- und Trostmusiken, die am 350. Todestag des Sagittarius’ in Gera erklingen. Das renommierte Vokalensemble Voces Suaves aus Basel unter Leitung von Johann Strobel setzt dabei die „Musikalischen Exequien“ in den Kontext von Trauermusiken bedeutender Zeitgenossen aus Schütz’ historischen wie räumlichem Umfeld und musiziert eindrücklich berührende Werke für Lebensabschied und Glaubenstrost (6. November).

Führungen, Round Table, Gottesdienst, Lesungen zur Klanginstallation von Fabian Russ in der Galerie des Kunstvereins Gera, eine Klanginstallation von Hendrik Schnöke in den Geraer Höhler runden das Angebot ab.

Heinrich Schütz Musikfest Zeitz, Dom St. Peter und Paul | Foto: Mathias Marx

Die Höhepunkte in Weißenfels und Zeitz

Das exzellente Ensemble Opella Musica unter Leitung von Gregor Meyer bringt in Zeitz Musik von Schütz und den bedeutenden Thomaskantoren des 17. Jahrhunderts wie Johann Hermann Schein, Tobias Michael, Sebastian Knüpfer, Johann Rosenmüller bis hin zu Johann Kuhnaus, dessen 200. Todestags wir 2022 gedenken, zu Gehör. Es sind renommierte Musiker, die zu Lebzeiten Schütz’ das schon damals attraktive Amt des Thomaskantors innehatten und die völlig zu Unrecht als „vor Bach“ subsumiert werden. Ein Konzert so recht zum Ohren öffnen (4. November).

In Weißenfels kombiniert Eckhard Manz mit seinem Heinrich-Schütz-Ensemble Kassel und einem Quartett um die Geigerin Tianwa Yang Schütz („Musikalische Exequien“) und Messiaen („Quatuor pour la fin du temps“). Auf den ersten Blick scheint es ein weiter Weg zu sein zwischen der Musik einer „güldenen SterbKunst“ des Jahres 1636 und dem „Quartett für das Ende der Zeit“, komponiert in einem Kriegsgefangenenlager 1941. Letztlich aber ist er das nicht, denn in beiden Werken geht es um das Menschsein, das Leben und eine Friedensvision, die durch die Jahrhunderte trägt (5. November).

Für den 6. November haben die Stadt Weißenfels und das Heinrich-Schütz-Haus Weißenfels ein Auftragswerk an den Komponisten Axel Gebhardt vergeben. Das mit Solisten, Chor und Orchester großbesetzte Werk „Aus dem Leben des Heinrich Schütz“ wird zum Abschlusskonzert des Themenfestivals uraufgeführt. Gebhardts Werk entstand zur Feier des Doppeljubiläums „Schütz – Novalis – 2022“. Das Libretto auf der Grundlage Schütz-verbundener Texte und musikalische Reminiszenzen an verschiedene Schütz-Werke lassen Leben und Wirken Schütz‘ in der zeitgenössischen Klangsprache von Gebhardts bedeutungsvoll aufscheinen.

Ebenfalls am 6. November wird die neue Portraitbüste von Heinrich Schütz feierlich enthüllt. Die international renommierte und vielfach preisgekrönte Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach gestaltet diese kunstvolle Portraitbüste, die als herausragendes Kunstwerk dem bedeutenden Musiker ein zeitgemäßes Denkmal setzt und dauerhaft im Heinrich-Schütz-Haus ihren Platz findet.

Bis zum 6. November sind die Ausstellungen im Museum Schloss Moritzburg Zeitz und in der Galerie Brand- Sanierung Weißenfels zu erleben. Die Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt e.V. veranstaltet eine wissenschaftliche Tagung zu „Weißenfels zur Schütz-Zeit“ (5. November).

Heinrich Schütz Musikfest Dresden, Schlosskapelle | Foto: Mathias Marx

Die Höhepunkte in Dresden

Auf ein außergewöhnlich opulentes Programm dürfen sich die Gäste in der sächsischen Landeshauptstadt freuen. Außergewöhnlich ist auch die Vielzahl an Kooperationspartnern mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, der Hochschule für Kirchenmusik Dresden, der Komponistenklasse Dresden und dem Konservatorium Strasbourg, mit AuditivVokal Dresden, der Kreuzkirche Dresden, der Stiftung Frauenkirche Dresden und dem Sächsischen Vocalensemble e.V.

Schon der Auftakt ist ein glanzvoller: Collegium 1704 und Collegium Vocale 1704 unter Leitung von Václav Luks präsentieren mit einer Auswahl aus Schütz‘ „Symphoniae Sacrae“ III und Monteverdis „Selva morale e spirituale“ zwei Gipfelwerke europäischer Musikgeschichte in meisterlicher Interpretation (4. November; in Kooperation mit den Kasseler Musiktagen und dem Internationalen Heinrich-Schütz-Fest 2022 der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft Kassel).

Die Komponistenklasse Dresden feiert 2022 ihr 40-jährigen Bestehen und hat sich für das Jubiläumskonzert die Königin der Instrumente als kompositorischen Bezugspunkt ausgesucht: Orgel+ heißt es da und erklingen werden Uraufführungen in der Besetzung von Orgel und Vokalensemble von Kindern und Jugendlichen aus Dresden und Strasbourg. Das Ensemble AuditivVokal Dresden unter Olaf Katzer und der junge Organist Ivan Terekhanov aus Strasbourg sind die Interpreten (5. November).

Das Sächsisches Vocalensemble und die Batzdorfer Hofkapelle musizieren unter Leitung von Matthias Jung Schütz‘ „Musikalische Exequien“ und kombinieren diese mit einer Uraufführung eines Auftragswerks von Bernd Franke. Franke unternimmt mit seiner Komposition „Und alles schrie“ eine schöpferische Annäherung an die „Musikalischen Exequien“ von Schütz, stellt sich der Frage nach dem Woher und Wohin des menschlichen Seins und begegnet Schütz mit unmittelbar erfassbarer zeitgenössischer Klangsprache (5. November).

Ebenfalls am 5. November findet unter Leitung von Kreuzkantor Martin Lehmann eine Vesper des Dresdner Kreuzchores in der Kreuzkirche Dresden statt. Gemeinsam mit Mitgliedern der Cappella Sagittariana Dresden musiziert der weltberühmte Knabenchor ausgewählte Werke aus Heinrich Schütz‘ „Schwanengesang“ und erinnert damit nicht zuletzt an seine große Tradition in der Schütz-Pflege, die sich mit Namen von Kreuzkantoren wie Erhard Mauersberger und Martin Flämig verbindet (5. November).

Eine Tagung „Todesangst und Sterbekunst“ an der Musikhochschule unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Heinemann, die „Lange Nacht der Musik“ an der Kirchenmusikhochschule mit einem vielfältigen Programm mit Kurzkonzerten, Vorträgen, Mitmachangeboten auch für Kinder und Jugendliche, Quiz-Veranstaltungen und kulinarischem Angebot, Gottesdienste in der Kreuzkirche und in der Frauenkirche Dresden gehören ebenso in das Programm dieses Festivals.

Das 2. Festkonzert zum Heinrich Schütz Semester 2022/23 der Hochschule für Musik vereint den Studiochor der Hochschule für Musik Dresden und das Hochschulorchester. Die Aufführungen von Werken von Johann Sebastian Bach/Anton Webern, Heinrich Schütz, Johannes Brahms und eine Uraufführung eines studentischen Werkes werden geleitet von Ekkehard Klemm und Christian Thielemann (6. November).

Das Abschlusskonzert des Festjahres SCHÜTZ22 gestaltet schließlich die großbesetzte Cappella Sagittariana Dresden unter der Leitung von Norbert Schuster. Im gemeinsamen Konzert mit der Stiftung Frauenkirche Dresden erklingen von Heinrich Schütz erneut die „Musikalischen Exequien“ sowie weitere Werke aus den „Symphoniae Sacrae“, den „Psalmen Davids“ und dem „Schwanengesang“. – „Unser Leben währet siebenzig Jahr, und wenn’s hoch kömmt, so sind’s achtzig Jahr, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Müh und Arbeit gewesen.“ – 87 Jahre alt wurde Schütz, fünf Jahrzehnte brachte er in kurfürstlich-sächsischen Diensten zu. Bestattet wurde er mit höchsten Ehren in der (alten) Frauenkirche. Die Inschrift auf seiner Grabplatte rühmte ihn als „saeculi sui musicus excellentissimus“ – „seines Jahrhunderts hervorragendster Musiker“ (6. November).

Das Programm in Magdeburg

Ursprünglich für den September 2022 geplant und nun bis an die Adventszeit heranreichend, hält das Programm einige Höhepunkte auch in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt bereit, die in Kooperation mit dem Gesellschaftshaus Magdeburg und dem Kunstmuseum Magdeburg – Kloster Unser Lieben Frauen realisiert werden können.

So gastiert die Cappella Mariana unter Leitung von Vojtech Semerád mit einem rein italienischen Programm unter dem Titel „Caravaggios Reise“ und interpretiert Meisterwerke aus jener Ära, in der neben der kunstvollen Mehrstimmigkeit mit streng kontrapunktischen Strukturen allmählich eine neue expressive und kontrastreiche Klanglichkeit in der Musik zum Tragen kam und Komponisten neue Höhen des emotionalen Ausdrucks erreichten (22. Oktober).

Eine Reprise erlebt das Jubiläumskonzert der Komponistenklasse Dresden am 11. November (s.o.), was in schöner Korrespondenz zum Konzert der Komponistenklassen in Halle und Magdeburg mit weiteren Uraufführungen steht (12. November).

Den dann schon adventlichen Abschluss bildet ein Konzert von Musica Fiata Köln und La Capella Ducale unter der Leitung von Roland Wilson in der frisch sanierten Klosterkirche Unser Lieben Frauen. Kompositionen aus den „Symphoniae Sacrae“ II und das lateinische „Magnificat“ SWV 468 erstrahlen in all ihrer Vielgestaltigkeit und in ihrem unerhörten Farbenreichtum und sind zugleich eine glanzvolle und hoffnungsfreudige Einstimmung auf die kommende Adventszeit (26. November).