SCHÜTZ22 – „weil ich lebe”
Festjahr anlässlich des 350. Todestages von Heinrich Schütz
unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten

Unterwegs zu Schütz

Die Musikwelt gedenkt im Jahr 2022 des 350. Todestags eines der Großen der europäischen Musikgeschichte – Heinrich Schütz. Schon seine Zeitgenossen sahen ihn als „parens nostrae musicae modernae“ – als Vater unserer modernen Musik – wie als „saeculi sui musicus excellentissimus“ – als „seines Jahrhunderts hervorragendster Musiker“ – an. 

Aus diesem Anlass gilt es, den Jahrhundertkomponisten Schütz umfassend und zeitgemäß zu würdigen. Dies enthält eine bewahrende Komponente, zugleich aber auch eine Impulssetzung für unser Heute. So sind es ganz unterschiedliche „Botschafterprojekte“, die als Themenstränge den Kern des Festprogramms 2021/2022 bilden: Vom Konzert in historisch-informierter Aufführungspraxis, dem partizipativen Schulprojekt, digitalen Klangspaziergängen und innovativen Klanginstallationen ist (fast) alles dabei. – Das wird die Schütz-Fans ebenso begeistern wie es neue Besuchergruppen erobern soll. Es geht um tiefes Erleben im Augenblick, langanhaltendes Erinnern, jugendliche Entdeckerfreude, Nachhaltigkeit.

Das Motto

Das Festprogramm steht unter dem Titel SCHÜTZ22 – „weil ich lebe“. – Mit diesen Worten, „weil ich lebe“, beschloss Heinrich Schütz 1619 die Widmung der Psalmen Davids an seinen „gnedigsten ChurFürsten“ Johann Georg I.

Er tat dies in einem Moment, der wohl einer der lebendigsten seines überaus langen Lebens gewesen ist: Schütz war kurfürstlich-sächsischer Hofkapellmeister in Dresden geworden und damit auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Er veröffentlichte mit dem gewaltigen Werk der Psalmen Davids ein Opus, dass der damaligen musikalischen Welt zeigen sollte, welch ein hervorragender Komponist hier die (europäische) Bühne betrat. Doch nicht nur das: Er heiratete im gleichen Jahr seine geliebte Frau Magdalena, begründete eine Familie. 

Diese drei Worte können aber auch als eine Lebensmaxime verstanden werden, sich nicht aufzugeben, die Hoffnung nicht zu verlieren, den Weg weiter voranzugehen – wie es der Sagittarius selbst tat. Dass dies zuweilen eine Herkulesaufgabe war, mag allein der Umstand verdeutlichen, dass allein 30 von seinen 41 aktiven Jahren als Hofkapellmeister in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges fielen.

Nicht zuletzt umreißen diese Worte auch das Anliegen der Veranstalter: Die Musik eines Heinrich Schütz ist nach wie vor lebendig, sie hat etwas zu sagen auch im Heute. Und das Festprogramm SCHÜTZ22 will seinen Teil dazu beitragen, dass diese Lebendigkeit noch um einiges wächst.

Heinrich Schütz

Heinrich Schütz ist der bedeutendste deutsche Musiker des 17. Jahrhunderts. Im Verlauf seines knapp 90-jährigen Lebens hat er die musikalischen Entwicklungen in Mitteldeutschland so stark geprägt und begleitet wie kein Zweiter.

Wolfgang Caspar Printz schrieb 1690 in seiner Historischen Beschreibung der Edelen Sing- und Kling-Kunst die „drey berühmten S“, dies waren der Dresdner Hofkapellmeister Heinrich Schütz, der Leipziger Thomaskantor Johann Hermann Schein und der Hallesche Musikdirektor Samuel Scheidt, habe „man zu dieser Zeit für die besten drey Componisten in Teutschland gehalten“. Und tatsächlich: Zu Lebzeiten wurde Heinrich Schütz als „parens nostrae musicae modernae“, also als „Vater unserer modernen Musik“ angesehen. Die erste deutsche Musikgeschichte von 1650 nannte ihn „den allerbesten teutschen Componisten“, und auf seinem Grabstein wurde er als „seines Jahrhunderts hervorragendster Musiker“ – als „saeculi sui musicus excellentissimus“ – bezeichnet. Doch trotz der Wertschätzung durch seine Zeitgenossen und seine Schüler geriet er nach seinem Tod für rund 200 Jahre lang in Vergessenheit.

Geboren wurde Heinrich Schütz am 8. Oktober 1585 in Köstritz, 1590 zog die Familie nach Weißenfels. Im Alter von 13 Jahren wurde Schütz vom kunstsinnigen Landgrafen Moritz von Hessen entdeckt, der ihn als Kapellknaben nach Kassel engagierte. Im Anschluss an die von Landgraf Moritz finanzierte Musik- und Schulausbildung konnte Schütz in Marburg studieren; ab 1609 bezahlte der Landgraf dem jungen Musiker zudem eine dreijährige Studienreise zu Giovanni Gabrieli nach Venedig. Hier lernte Schütz die modernen Kompositionstechniken, insbesondere die mehrchörige Kirchenmusik kennen. Als sein Günstling 1613 endlich nach Kassel zurückkehrte, konnte Landgraf Moritz von dessen Studienerfolgen aber kaum profitieren. Schon 1614 wurde der sächsische Kurfürst Johann Georg I. auf den talentierten und gut ausgebildeten Musiker aufmerksam. Nach zähen Verhandlungen mit dem hessischen Landgrafen konnte er Schütz 1617 als Hofkapellmeister nach Dresden verpflichten.

Schütz bekleidete das Amt über 50 Jahre. Seine Dienstzeit wurde 1628 von einer zweiten Italienreise unterbrochen, die ihn erneut – diesmal für über ein Jahr – nach Venedig führte. Im Zuge der Wirren des Dreißigjährigen Krieges, der 1631 auch Sachsen erreichte, kam die Dresdner Musikpflege zusehends zum Erliegen. Als die sächsische Prinzessin Magdalena Sibylle den dänischen Kronprinzen heiratete, reiste Schütz von 1633 bis 1635 nach Kopenhagen, um die musikalische Leitung der Hoch­zeits­feierlich­keiten zu übernehmen und den Kriegswirren in seiner Heimat für einige Zeit zu entfliehen. Zurück in Dresden versuchte er sich mit seinen Kompositionen auf die veränderten Auf­führungs­bedingungen der Kriegsjahre ein­zu­stellen. Seine Kleinen Geistlichen Concerte, die 1636 erschienen, trugen diesem Umstand durch eine verringerte Chor- und Instrumentalbesetzung Rechnung.

Mit dem Tod Johann Georgs I.1656, vereinigte der neue Kurfürst, Johann Georg II., die Hofkapellen und entband Schütz – langersehnt – im Alter von inzwischen 71 Jahren vom regelmäßigen Dienst der Hofkapelle. Als nunmehr „älterer“ bzw. „Ober-Kapellmeister“ hatte er nur noch episodisch Aufgaben in Dresden zu erfüllen. Daher nahm er seinen ständigen Wohnsitz ab 1657 wieder in die Stadt seiner Kindheit und geht nach Weißenfels. Begraben wurde er jedoch in Dresden, wo er sich zum Zeitpunkt seines Todes am 6. November 1672 aufgehalten hatte.