Bernd Ruf by Lutz Winkler

„... es fehlte wenig und ich endigte selbst mein Leben ...“
Ludwig van Beethoven verliert seine Hörfähigkeit und wird taub. Aus Verzweiflung stellt sich ihm die Frage: Freitod oder Leben? Es ist sein Glaube an die Kunst, an die Kraft seiner Musik, die Welt menschlicher zu machen, der ihn am Leben hält.

Das Konzertprojekt „Tosende Stille – Beethoven: Heiligenstädter Testament“ thematisiert die zunehmende Schwerhörigkeit Beethovens. 1802 verfasste Ludwig van Beethoven einen Abschiedsbrief an seine Brüder, welcher, zu Beethovens Lebenszeit nie veröffentlicht, später aber unter dem Namen „Heiligenstädter Testament“ bekannt wurde. In einem multimedialen Aufführungskonzept agieren musikalische, filmische und theatralische Elemente. Beethoven wird durch eine Eichenbüste der Lübecker Künstlerin Bettina Thierig dargestellt. Die Rolle Beethovens übernehmen der Schauspieler Jonas Nay als Beethovens Stimme, der Rapper Danny Fresh, der junge Musiker Ilja Ruf und Jazzprofessor Bernd Konrad. Die Tänzerin Rabea Bode verkörpert die „Kunst“, die zur Beethovens Lebensquelle wird.

Die von Bernd Ruf konzipierte Musik reicht von Originalwerken Beethovens über neu komponierten Pop- und Hiphop-Songs bis zu Jazz-Improvisationen.Das Heiligenstädter Testament verfasste Beethoven im Alter von 32 Jahren während eines Kuraufenthalts in Heiligenstadt bei Wien unter dem Eindruck der für ihn traumatischen Mitteilung, dass sein Gehörleiden unheilbar sei und zur vollständigen Ertaubung führen würde.


Bernd Ruf by Sina Hinz

Das Schriftstück ist in erster Linie als psychologisches Zeugnis zu werten, in dem sich Beethoven sein Schicksal selbst eingesteht und zu verarbeiten sucht, indem er sich seine Verzweiflung von der Seele schreibt. Adressaten des 1827 versiegelt in Beethovens Nachlass gefundenen Dokuments sind dessen gesetzliche Erben, die Brüder Caspar Anton Carl und Nikolaus Johann.

Taube Ohren, Hörverlust – für alle, die Musik lieben, eine schlimme Vorstellung. Doch war es genau dieses Schicksal, das Ludwig van Beethoven bereits in jungen Jahren ereilte. Letztendlich trotzte er seinem Schicksal mit rastloser Kreativität. Dieser beispielhafte Weg durch Qual und Hoffnung war Inspiration und roter Faden. Mit anderen Worten: Kampf gegen körperliche Behinderung und Geistesfreiheit in politisch dunkler Zeit, das sollte szenisch und musikalisch umgesetzt werden.