Gustavo Santaollalla @ Betsy Mezamoreno

GUSTAVO SANTAOLALLA

Obwohl Gustavo Santaolalla vielleicht nicht der bekannteste Name ist, der in der Öffentlichkeit für die lateinamerikanische Musik steht, ist sein Name möglicherweise der allgegenwärtigste, wenn es darum geht, spanischen Rock zu definieren.

Der bekannte Musiker, Komponist und Produzent Gustavo Santaolalla hat eine umfangreiche und erfolgreiche Karriere hinter sich. Der am 19. August 1951 in El Palomar in der argentinischen Provinz Buenos Aires geborene Santaolalla begann im Alter von fünf Jahren mit dem Gitarrenunterricht. In seiner Jugend war er Mitglied der viel beachteten Band Arco Iris. Von Anfang an sei die Frage der Identität eine der Hauptachsen seiner künstlerischen Vision gewesen, so Santaollas: „Zu wissen, wer man ist und woher man kommt. Meiner Meinung nach ist das der einzige Weg, um über sich selbst hinauszuwachsen, um weiterzukommen. Dieses Konzept der Identität wollte ich schon immer in der Musik thematisieren, um zu wissen, woher die Musik kommt und woher die Künstler kommen. Deshalb haben wir, sobald ich eine Musikgruppe hatte, angefangen, latein- amerikanische Volksmusik mit Rock oder Jazz zu vermischen.“

In jenen Jahren wurde Argentinien Opfer eines gewaltsamen Putsches und einer blutigen Militärdiktatur. 1978 beschloss San- taolalla, sich in Los Angeles niederzulassen. Er gründete die Gruppe Wet Picnic mit Aníbal Kerpel, einem Musiker und Ingenieur, mit dem er bis heute zusammenarbeitet. Ihr „Cocktailed Sky“ war eines der ersten Kurzmusicals, das über das Testsignal des aufstrebenden Musiksenders MTV gesendet wurden. 1984, mit der neu aufgeblühten argentinischen Demokratie, kehrte er in seine Heimat zurück, um „De Ushuaia a la Quiaca“ aufzuführen, ein Projekt, das er mit seinem Seelenverwandten León Gieco umsetzte, mit dem er durch das ganze Land reiste. Zusammen mit Aníbal Kerpel und dem Musiker und Produzenten Adrián Sosa gründete er sein eigenes Plattenlabel namens Surco. Santaolallas Arbeit mit Künstlern wie Café Tac- vba (auch Café Tacuba), Maldita Vecindad, Julieta Venegas, Divididos, Los Prisioneros usw. macht ihn zu einem der Grundpfeiler in der Geschichte der als „Rock en español“ bekannten Bewegung. Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte er mehrere Soloalben. Zwischen 2000 und 2017 wurde Santaolalla mit 16 Latin Grammys und zwei Grammys für seine Arbeit als Produzent, Songwriter und Künstler ausgezeichnet.

Gustavo Santaolalla © Ale Burset

Im Jahr 2000 begann Santaolalla, für Filme zu komponieren. Mit dem Regisseur Alejandro González Iñárritu, für den er die Filmmusik zu „Amores Perros“, „21 Grams“, „Babel“ und „Biutiful“ komponierte, verband ihn eine dauerhafte Freundschaft und künstlerische Partnerschaft. Später eröffneten Filme wie „The Motorcycle Diaries“ von Walter Salles einen Weg zu weiterer großer Anerkennung in der Filmindustrie. 2007 wurde Santaolalla der dritte Komponist in der Geschichte, der zwei Oscars hintereinander gewann – für Ang Lees Film „Brokeback Mountain“ (2006) und für Iñárritus „Babel“ (2007). In einem Interview antwortete Gustavo Santaolalla auf die Frage zur Magie des Films: „Ich weiß es nicht! Ich denke, dass all diese Filme durch irgendetwas miteinander verbunden sind. Ich komme nicht aus dem traditionellen musikalischen Umfeld, das zur Filmmusik führt, ich bin kein akademischer Musiker, ich kann keine Musik lesen oder schreiben. Das hat mich dazu gebracht, mich den Filmen aus einem anderen Blickwinkel zu nähern. Ich spiele viele Instrumente in meinen Partituren, die meisten sogar. Ich glaube, dass ich damit eine ‚Anleihe‘ hinterlasse, die daher rührt, dass ich sowohl der Komponist als auch der Interpret bin. Ich glaube, ich habe eine gewisse minimalistische Verwendung von Musik und Instrumenten konzipiert, die Verwendung von Stille, Raum, Texturen und insbesondere der Tonlage der Instrumente, die eine Oud, eine Ronroco oder eine Gitarre sein können. All das, verbunden mit dem Publikum, hat etwas hervorgebracht, das mich selbst erstaunt! Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich zwei Oscars gewonnen habe! Der erste war unglaublich, aber der zweite war unwirklich! Aber es ist passiert.“

Gustavo Santaolalla © Michael Ortiz

Santaolalla gründete einen Verlag namens RETINA, in dem er Sammelbände prominen- ter Fotograf:innen wie Gaby Messina, Gustavo di Mario, Diego Levy, Nora Lezano und Alejandra Palacios veröffentlicht. Er produzierte eine Reihe von Alben, ein Buch und einen Film mit dem Titel „Café de los Maestros“ (2005), in dem er die größten Vertreter des goldenen Zeitalters des Tangos der 1940er und 1950er Jahre zusammenbrachte. Er wusste schon immer, dass er ein- mal etwas mit Tango machen würde, weil der Tanz Teil seiner Wurzeln ist, Teil seiner Identität ist. Santaolalla ist Argentinier, sein Vater sang jeden Morgen Tango, wenn er sich rasierte, sie hörten Tango bei Familientreffen oder im Radio und Fernsehen. Er hat großen Respekt vor dieser populären, aber sehr anspruchsvollen Musik.

Im Jahr 2019 wurde Santaolalla von Eric Clapton eingeladen, beim Crossroads Guitar Festival neben Künstler:innen wie Buddy Guy, Jeff Beck, Peter Frampton, Vince Gill, John Mayer, Sheryl Crow und Clapton selbst aufzutreten.

2021 wurde Santaolalla 70 Jahre alt. Trotz- dem stellt er sich weiterhin neuen Herausforderungen, wobei Klang und Identität die Säulen seiner Arbeit bleiben. Die Show nimmt einen auf eine musikalische Reise durch seine Kreationen und seine Kosmo- vision mit. Sein Konzert in der Musik- und Kongresshalle Lübeck wird bunt und elektrisch. Es wird vokale und instrumentale Werke geben, Rocksongs und eine Suite aus seiner prämierten Filmmusik zu „Bro- keback Mountain“. Begleitet wird er vom CLASSICAL BEAT Orchester unter Leitung von Pierre Bertrand.