Kay Plesse, Direktor ATLANTIC Grand Hotel, Travemünde

INTERVIEW
Wir sprachen mit Kay Plesse, dem Direktor des ATLANTIC Grand Hotels in Travemünde.

ATLANTIC Grand Hotel, Travemünde

Seit vergangenem Jahr sind Sie Gastgeber des CLASSICAL BEAT Festivals. Wie wichtig sind Kulturveranstaltungen für das Portfolio eines Hotels?

Ich kann natürlich nur für das ATLANTIC Grand Hotel Travemün- de sprechen und betone gern, dass Kunst- und Kulturveranstaltungen für unser Hotel, entweder im schönen Ballsaal, aber auch im Hotelgarten mit der Konzertmuschel, für das Gesamtangebot unserer Hotelgäste, aber auch für externe Gäste sehr wichtig sind.

Josephine Baker, Caterina Valente, Aristoteles Onassis, Kirk Douglas, Sophie Loren und viele weitere Künstler:innen traten im Ballsaal Ihres Hauses auf, waren dort zu Gast. Thomas Mann soll sich in Ihren Räumlichkeiten für seinen Roman Buddenbrooks inspiriert haben lassen. Wie viel Glanz und Gloria dieser Zeit schwingt und „spukt“ noch durch die Gemäuer und Gemächer des ATLANTIC Grand Hotels?

Der von Ihnen angesprochene Glanz der Vergangenheit in Verbindung mit unserer Hotelgeschichte begleitet uns natürlich Tag für Tag und wird unserseits auch nicht in Vergessenheit geraten. Oft kommen Gäste zu uns ins Hotel, um ihre eigenen Erinnerungen aufzufrischen, genießen dabei ein leckeres Essen im heutigen Restaurant Holstein’s oder einen Drink in der Seven C’s Bar und erzählen uns von ihren Erlebnissen oder zeigen uns alte Aufnahmen aus diesen Zeiten.

Ist die Geschichte des Hauses Kapital und Chance oder eine Bürde?

In jedem Fall ist die tolle Geschichte unseres Hauses Kapital und Chance zugleich. Wir haben immer etwas zu erzählen, wenn Gäste sich dafür interessieren. Und wir kommen dadurch mit Gästen, die bewundert durch das Hotel laufen, ins Gespräch. So wird auch die Geschichte des Konversationshauses, als solches ist das Haus konzipiert worden, immer wieder neu gelebt.

ATLANTIC Grand Hotel, Travemünde

Welche Möglichkeiten bietet Ihr Haus für Kulturveranstaltungen und für welche Art der Kultur?

Wir haben in den vergangenen fünf Jahren verschiedene Formate eigener Veranstaltungen organisiert – entweder selbst oder mit einem Kooperationspartner. Dabei haben wir die von unseren Gästen akzeptierten Veranstaltungen herausgearbeitet. Diese bieten wir jetzt mehrmals im Jahr an. Dazu zählen Konzerte im Ballsaal und im Hotelgarten mit klassischer Musik, aber auch mit Jazz- und einer Mischung aus Klassik- und Popmusik. Genauso auch die A(R) TLANTIC Skulpturenausstellung im Hotelgarten – von Mai bis Ende September. Beliebt sind unsere Lesungen unter dem Titel „Literatur & Musik“, die wir im kleineren Rahmen nur in unserer Seven C’s Bar anbieten. Unser eigenes ATLANTIC Kammermusikfestival findet in diesem Juni auch bereits zum zweiten Mal statt. Zwei weitere Highlights sind hier auch zu nennen mit dem Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival und natürlich auch dem CLASSICAL BEAT Festival, das wir nach der Premiere in 2021 auch in diesem Jahr wieder, parallel zur Travemünder Woche, bei uns im Ho- tel begrüßen dürfen. Im Bereich der Kulinarik bieten wir ganzjährig sogenannte „Krimi- und Eventdinner“ an, aber auch eine große Kochshow mit dem bekannten Koch Johann Lafer – immer Anfang Dezember, noch vor Weihnachten.

Dieses Jahr steht das Festival unter dem Motto „Leinen los nach Lateinamerika“! Stellen Sie sich thematisch – etwa mit Lateinamerika-Zigarren in Ihrer „Davidoff-Lounge“ – und kulinarisch auf Ihre Gäste und Festivalbesucher:innen ein und machen ein entsprechendes Angebot?

Natürlich nehmen wir unsere Gäste immer mit auf unsere Veranstaltungsreisen – so auch beim CLASSICAL BEAT Festival. Neben Kaffee fallen uns zu Lateinamerika natürlich noch die Themen Rum, Zigarren und auch die kreolische Küche ein. Ich bin mir sicher, dass unsere verantwortlichen Teams in Küche und Keller kreativ genug sind, um unsere Gäste in der Zeit des Festivals mit vielen Drinks, Cocktails, leckeren Gerichten und natürlich, wer mag, mit einer tollen Davidoff-Zigarre in unserer „Davidoff Lounge“ zu überraschen.

Kay Plesse, Direktor ATLANTIC Grand Hotel, Travemünde

Seit 2020 ist das CLASSICAL BEAT Festival auf Ihre Initiative und Vermittlung hin Kulturpartner der Travemünder Woche. Was waren Ihre Beweggründe für diese Initiative und was kann und soll sich noch daraus entwickeln?

Der Wunsch vieler Beteiligter der Travemünder Woche und auch der politisch Verantwortlichen in Lübeck war und ist es, dass Kultur- bzw. Landprogramm ständig weiterzuentwickeln und aufzuwerten. Die Möglichkeit, das tolle CLASSICAL BEAT Festival gemeinsam mit Hans-Wilhelm Hagen zu uns ins ATLANTIC Grand Hotel Travemünde zu bringen und während der Travemünder Woche stattfinden zu lassen, war Grund und Anlass genug, den Schulterschluss mit den Verantwortlichen der Travemünder Woche selbst zu suchen. Die Idee der Einbindung als Kulturpartner, zusammen mit dem abwechslungsreichen Landprogramm während der 10-tägigen Veranstaltung, bietet eine große Chance, die Qualität des Kulturprogramms weiter zu verbessern und auch in die Stadt Lübeck hineinzutragen. Somit eine Win-win-Situation zur Steigerung des Bekanntheitsgrades für das Fes- tival und eben eine Ergänzung des Kulturprogramms.

CLASSICAL BEAT Festival 2021 by Sina Hinz

Jetzt ist Hochsommer, Hauptsaison, die ähnlich wie in meiner Heimatstadt Konstanz am Bodensee von ungefähr Ostern bis Ende Oktober geht. Warum im Winter nochmals nach Travemünde kommen?

Das Seebad Travemünde ist mindestens 365 Tage geöffnet und bietet ganzjährig ein abwechslungsreiches Programm für alle Gäste an – natürlich ist der Zulauf im Sommer, beginnend mit Ostern bis Ende Oktober, höher, aber auch die kalte Jah- reszeit wird von vielen Gästen sehr geschätzt. Dann ist das Klima rauer, der Wind pustet ordentlich, aber auch dann gibt es wenig Schöneres, als einen langen Strandspaziergang zu machen, im Wellnessbereich zu relaxen, die leckeren Gerichte aus der Küche zu genießen, die Region rund um das Hotel zu erkunden und einfach mal anzukommen, durchzuatmen und sich fallen zu lassen.

Mal ein Blick in die Zukunft: Vision 2030+. Viele Festivals haben in den vergangenen Jahren auf Drängen der Städte und Touris- musverantwortlichen einen Ableger des Festivals in der Nebensaison imitiert. Idee oder eher Risiko für das CLASSICAL BEAT Festival und Travemünde?

Das ist eine sehr gute Frage, die ich eigentlich gern an Hans-Wilhelm Hagen weitegeben möchte. Er kann das für sein CLASSICAL BEAT Festival bestimmt viel besser beurteilen als ich. Beantworten kann ich Ihre Frage aber für unsere eigenen Veranstaltungen im Hotel und da stimme ich den Wünschen der Städte und der Tourismusverantwortlichen zu: Die Nebensaison wird immer stärker gebucht, die Gäste schätzen die größere Ruhe und das rauere Klima in dieser Zeit und wollen da genauso ein kulturelles Rahmenprogramm in Anspruch nehmen, wissend, dass es niger sein wird als im Hochsommer, aber dennoch ... Gerade in dieser Zeit gilt es, das weiter anspruchsvolle Publikum gut zu unterhalten – war- um also nicht mit einer CLASSICAL BEAT-Festival-Winter-Edition?

Das Gespräch führte Kai Geiger.