Dorothee Schabert © Constanze Zacharias

DOROTHEE SCHABERT, Baden-Baden,
Komponistin, Klangwerkerin, Autorin

#coronawiegehts

Ich bin kein typischer Fall, denn eigentlich geht mir persönlich durch die Covid19-Restriktionen nichts ab. Materiell. Das ist ein großer Luxus. Ich sitze zu Hause und schreibe, komponiere und kommuniziere auf vielfältige Weise mit anderen Künstlerinnen und FreundInnen. Ich arbeite an Projekten, die im Sommer oder einfach nach der Pandemie stattfinden sollen. Ich komponiere dafür und versuche, meine Projekte organisatorisch sicher zu stellen.

Dass die Restriktionen im Verein mit dem niedrigen, dauergrauen Himmel mich häufig am Sinn meines Tuns zweifeln, ja verzweifeln lassen, kann ich nicht leugnen. Ich stemme mich so gut es geht gegen die verrinnenden Tage und bemühe mich, der verordneten Still-Setzung möglichst Positives abzugewinnen.
Ich hoffe, damit wenigstens einigen KünstlerInnen eine Perspektive und auch konkrete Engagements zu schaffen, denn unsre Telefonate zeigen mir meist das wahre Elend: wieviel an Kunst und Kultur verloren geht in diesen Monaten einerseits; und wie dringend wir Menschen umgekehrt darauf angewiesen sind. Ohne Kunst - eine Kunst auf hohem Niveau statt der täglichen akustischen Tapeten und greller Bilder - sind wir da noch Menschen?

#coronawaskommt

Was ich erhoffe, ist wohl das, was wir alle erhoffen: ein reges, buntes, offenes Kunst- und Kulturleben wieder aufnehmen zu können. Ich wünsche mir, wieder Konzerte zu hören und Anregungen, Inspirationen nicht nur aus meinem kleinen Bildschirm ziehen zu müssen, sondern Menschen zum Anfassen und Orte, die faszinieren und bereichern.
Für das kommende Jahr stehen ein halbes Dutzend Aufführungen und Ausstellungen, oft zusammen mit anderen KünstlerInnen, in meinem Plan. Ab Juni. In Deutschland und in Rom. Ein Traum, wenn wir sie durchführen können!

#coronawasbrauchts

Die Akzeptanz von Kunst und Kultur als existentiellem Bedürfnis der Menschen seitens der PolitikerInnen und der breiten Bevölkerung. Kunst als Feld und Angebot, unsere Umwelt subtil und präzise wahrzunehmen, die Möglichkeiten zu erkunden, die in ihr schlummern, alternative Entwürfe zu erdenken, erschaffen, vorzuführen, zu diskutieren. Kunst zeigt Perspektiven, schafft Zusammenhalt und Offenheit, Respekt und Toleranz.

Wertschätzung ist die erste und unabdingbare Voraussetzung dafür, dass Kunst und Kultur finanziell und institutionell gesichert bleiben. Das nötige Geld für KünstlerInnen und Orte ist dann die Konsequenz.

Ausschnitt aus "Streaming and Lamento" © Gerten Goldbeck

Audio-Video-Installation "Desert Waves "
Komposition: Dorothee Schabert Film: Bettina Schroeder Filmschnitt: James A.Smith Dauer: 19:02 min.
Wiedergabe: Video plus Audio-Installation (über zwei oder vier Lautsprecher)

KlangWerk Aquae Aquarum zu VideoInstallation Desert Waves

Am 28. Juli 2010 wurde das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser von der Vollversammlung der UN als Menschenrecht anerkannt. ...

Mit wie vielen Stimmen Wasser spricht: es rauscht, es strömt, es fließt, es säuselt, es rieselt, es prasselt, es tropft oder schüttet wie aus Eimern und droht uns schier zu verschütten.
Wasser: in Zeiten der Klimakatastrophe ein zunehmend wertvoller, sogar bedrohter Rohstoff. Einem viel zu großen Teil der Weltbevölkerung fehlt schon jetzt der Zugang zu sauberem Wasser zum Waschen und sogar zum Trinken. Und gewissenlose Konzerne sichern sich schon jetzt den exklusiven Zugang zu Wasserressourcen als Privatbesitz. Wasserwiederverkäufer wie Nestlé gehen genau an die trockensten Orte, um ihr Wasser zu beziehen und profitabel weiter zu verkaufen.

Wasser zu Glas: glasklar wie der helle Bergbach oder verschmutzt, vergiftet, unbrauchbar. Wasser zu Sand: Der Wind formt Wellen in den Wüstensand. Vielfältige Formen. Mal ein Sandmeer, mal zerklüftete, steinige Öde. Gammelnde Plastikflaschen gemahnen daran, dass wir Menschen nicht ohne Wasser überleben. Müllflecke, Glasscherben. So abstoßend, wie ästhetisch. Wasserformen in der Wüste, Wasserprasseln, das uns mit splitterndem Glas erschreckt.

Wir verknüpfen diese vermeintlichen Gegensätze in Bild und Ton zu einem Video, das die wertvolle Schönheit von Beidem, Wasser und Sand, eindringlich vorführt.