Pierre Bertrand © Bruno Tocaben

Ein Weltreisender in Sachen Musik
Pierre Bertrand, Porträtkünstler des diesjährigen CLASSICAL BEAT Festivals

Das CLASSICAL BEAT Festival 2021 hat Pierre Bertrand, einen der vielseitigsten und erfolg- reichsten französischen Musiker, als diesjährigen Porträtkünstler gewonnen. Er ist sowohl als Künstler als auch als Dirigent des speziell für das Festival zusammengestellten deutsch-französischen Orchesters zu hören und zu sehen. Im Gepäck eine Neuinterpretation des einzigartigen und wohl interessantesten Werks von Duke Ellington, der „Far East Sui- te“. Er lädt das Publikum zu einer „Impossible Journey“, einer spannenden, „unmöglichen“ Reise ein.

Pierre Bertrand ist in Paris zu Hause. Die multikulturelle, kosmopolitische Seine-Metropole ist Lebensmittelpunkt und musikalische Heimat, kreativer Schmelztiegel seiner Kompositionen und Arrangements. Paris, eine Stadt voller Überraschungen und Widersprüche, unbändiger Leidenschaft und der künstleri- schen Begegnungen. Er atmet ein, spürt und fühlt diese Eindrücke, schreibt sie auf und lässt sie in Noten fließen und übergehen. Inspiration bekommt Pierre Bertrand auf seinen Streifzügen durch die so unterschiedlichen Viertel von Paris, wie z.B. das Künstler- und Intellektuellenviertel Belleville mit seinen zahlreichen Clubs, Bars, Konzertsälen und Plätzen, wo Klassik, Jazz, Rock, Punk, Hip- Hop, Electronic Beat und alle Crossover-Formate, die man sich oder auch nicht vorstellen kann, zu hören sind. Musikalische Gewächse, die spannend Neues hervorbringen und wo- ran sich die lebendige Musikszene von Paris labt, orientiert und kreativ austobt. Hier wie anderswo ist Paris lebendig, widersprüchlich, kreativ, inspirierend, ausdrucksstark und laut, das pure Leben, wie das von Pierre Bertrand.


Pierre Bertrand © Bruno Tocaben

So sehr Bertrand in seiner Heimat verwurzelt ist – 1972 in Cagnes-sur-Mer in Südfrankreich geboren und nach dem Studium am Regiona- len Konservatorium in Nizza und dem Nationalen Musikkonservatorium in Paris dort hängen geblieben –, so künstlerisch anregend findet er das Reisen zu den Keimzellen verschiedenster Kulturen. Sie prägen sein musikalisches Oeuvre, seine Art, Musik zu verstehen und zu interpretieren. So war er u.a. in Mexiko, Venezuela, Argentinien und Dänemark tä- tig und zu Gast auf der ganzen Welt während seiner Konzerttourneen. Diese Reisen werden immer auch zu Themen von Stücken, die das Reisen, das Sich-Bewegen von Ort zu Ort zum Inhalt haben. In „Méditerranéo“ eine musi- kalische Reise ums Mittelmeer, in „Paris 24h“ Alltagsszenen aus Paris und in seinem ersten Soloalbum „Caja Negra“ ein Spaziergang zwischen dem Mittelmeer, Afrika und Lateinamerika. Er hebt ab, landet, es entstehen abstrakte Arabesken, Reisetagebücher, intensive Bilder, Unterschiede und Begegnungen. Das ist die Magie in seiner Musik.

Und jetzt kommt der französische Musiker, Saxophonist, Flötist, Dirigent, Komponist, Autor von Filmmusiken und Arrangeur Pierre Bertrand nach Schleswig-Holstein zum CLAS- SICAL BEAT Festival. Im Gepäck die „Far East Suite“ von Duke Ellington und seine von Musikkritikern weltweit gefeierte Neuinterpretation aus dem Jahr 2018. So schrieb Frédéric Goaty vom Jazzmagazin: „Geniale Arrangements auf einem der größten Jazz-Alben aller Zeiten“, David Koperhant von den Jazz News: „Bertrand nähert sich mit seinen neun Musikern und Sängern von der Nordwand aus dem Gipfel ...“ und Jérôme Gillet von froggydelight.com meint: „... würzig und fesselnd!“ Wir dürfen gespannt sein.

Bertrand bereitet sich akribisch auf das Festival und die Leitung des extra für das Festival zusammengestellten deutsch-französischen Orchesters mit herausragenden Nachwuchsmusikern, die durch eine Jury ausgewählt wurden, vor. Pierre Bertrand freut sich auf seinen ersten Besuch in Schleswig-Holstein und auf das CLASSICAL BEAT Festival: „Wir arbeiten seit vielen Monaten intensiv mit dem Festivalteam des CLASSICAL BEAT Festivals zusammen. Die ,Far East Suite‘ ist ein Meisterwerk von Duke Ellington und Billy Strayhorn, das ich 2018 mit meiner Gruppe ,La Caja Negra‘ in einer eher orientalischen Jazz-Neufassung veröffentlicht habe. Für das Festival werde ich meine Version der ,Far East Suite‘ für eine Bigband aus jungen deutschen und französischen Musikerinnen und Musikern adaptieren.“

Die „Far East Suite“ basiert auf einer wahren Orchesterreise, die Duke Ellington 1963 mit seinem Orchester auf Einladung des Außenministeriums der USA nach Syrien, Jordanien, Indien, Sri Lanka (damals noch Ceylon), Pakistan, den Iran (damals noch Persien), den Libanon und die Türkei unternahm. Zusammen mit einer Japan-Tournee im Jahr 1964 diente dieses Erlebnis Duke Ellington und seinem langjährigen Freund und Musikerkollegen Billy Strayhorn als Inspiration für seine Musiksuite, die heute zu den interessantesten und einzigartigsten Musikstücken der Jazzgeschichte gehört. Uraufführung war 1964 mit vier Stücken in England. Im Dezember 1966 erschien die Einspielung mit dann neun Stücken. Für Billy Strayhorn war es sein letztes großes Stück. Er verstarb kurz nach Erscheinen des Albums.

Die „Far East Suite“ ist eine nachdenkliche, stimmungsvolle, virtuose und impressionistische Klangreise durch den Nahen und Mittleren Osten, die das auf der Reise Erlebte, Freude und Aufregung, Begegnungen mit Menschen und deren Kultur, Traditionen und Ausdrucksformen in Musik, Tanz und Gesang, in musikalischen Themen, Mustern, Formen, harmonischen Abläufen und Ideen zu einer fremd-exotischen orientalischen Klangreise zusammengeführt hat. Die „Far East Suite“ lädt ein, Bilder und Motive der Reise, damals wie heute, in der Neuinterpretation von Pierre Betrand nachzuhören und sich dabei in Gedanken auf Reisen zu begeben. Eine Reise, die heute so – eine Tour durch Damaskus, Aman, Beirut, Bagdad, Karachi und Dakha – nicht möglich, eine „Impossible Journey“ wäre.


Pierre Bertrand © Helke Rüder

2018 hat Pierre Bertrand die Komposition von Duke Ellington, die für eine große Big Band geschrieben war, für eine kleine Formation, seine 2010 gegründete „La Caja Negra“, adap- tiert. „Caja Negra“ heißt übersetzt Flugschrei- ber. Für Bertrand eine wahre „Black Box“ eines imaginären Flugzeugs, die alles erfasst, aufzeichnet, archiviert und die er und seine Band, die sich aus Flamenco- und Jazzmusikern zusammensetzt, interpretieren und auf die Bühne bringen. Inspiriert von der Andersartigkeit, den Reisen und Begegnungen, denen Sie zwischen dem 24. Juli und 7. August beim CLASSICAL BEAT Festival folgen können.

Eine Reise hat ihn jetzt nach Travemünde geführt, und das Publikum darf sich auf spannende und außergewöhnliche Klangerlebnisse freuen. Und vielleicht bricht Pierre Bertrand von hier aus zu einer Reise in den Norden auf, um den Leitgedanken des Festivals von internationalen, musikalischen Brückenschlä- gen und der Pflege der kulturellen, musikali- schen Identität Nordeuropas musikalisch zu erforschen und um dann mit neuen Tönen im nächsten Jahr an das CLASSICAL BEAT Festival zurückzukehren.