INTERVIEW MIT MARIO FESLER

Wir sprachen mit Mario Fesler, der 2017 den erstmalig vergebenen Sonderpreis Neue Talente erhalten hat, mit dem eine deutsche Autorin oder ein deutscher Autor ausgezeichnet wird, die in dem betre enden Jahr mindestens ein herausragendes literarisches Werk im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur im deutschsprachigen Raum verö entlicht hat. Der Sonderpreis Neue Talente wird ebenso wie der Sonderpreis für das Gesamtwerk im jährlichen Wechsel an deutsche Autoren, bersetzer und Illustratoren vergeben.

Jurybegründung
In fast jeder Schulklasse gibt es die Außenseiter, mit denen keiner etwas zu tun haben will. Wie Popelino, bei dem der Name Programm ist. Wie die dicke Ma Baker, von der kaum einer den richtigen Namen kennt. Oder wie die unscheinbare Sara, die nie mitfeiern darf, weil das den Zeugen Jehovas verboten ist. Aus diesen Figuren und ihrer Ausgangslage hätte Mario Fesler ein moralinsaures Mobbingdrama machen können. Daraus geworden ist jedoch eine temporeiche, witzige, überraschende und in ihrer Ernsthaftigkeit genau dosierte Erzählung. Es reicht eine einzige unbedachte Äußerung von Ich-Erzählerin Lizzy, schon hat sie diese traurige und von allen anderen Schülern belächelte Projektgruppe am Hals. Was wird der Klub der Verlierer bis zum Schulfest auf die Beine stellen? Ein Wettlauf gegen die Zeit und die eigenen Vorurteile beginnt, bis zum großen Ereignis. In allerbester Manier englischer Vorreiterinnen wie Anne Fine gelingt Mario Fesler eine originelle Schul- und Freundschaftsgeschichte, die sich keine Schwächen und Längen erlaubt. Selbst die eingeschobenen Tagebucheinträge leisten dazu ihren eigenen erzählerischen Beitrag. Mit seinem Gefühl für treffsichere Dialoge und der Sympathie für seine Figuren ist Mario Fesler ein besonderes neues Talent und eine Bereicherung für die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur.

Sie sind erster Preisträger des neu geschaffenen Sonderpreises „Neue Talente“ des Deutschen Jugendliteraturpreises, den Sie 2017 anlässlich der Frankfurter Buchmesse erhalten haben. Ist es nicht Ironie des Schicksals, dass Sie für ein Buch, wo es um „Verlierer“ geht, zum Gewinner wurden?
Mario Fesler: Auf jeden Fall. Aber das passt natürlich insgesamt gut zum Buch, das ja auch mit einer ordentlichen Portion Ironie ausgestattet ist. Und letzten Endes klarmacht, dass Verlierersein nicht zwingend ein Lebensschicksal sein muss.

Was hat sich seitdem getan?
Mario Fesler: Nun, mit so einer tollen Würdigung im Rücken schreibt es sich natürlich noch eine Runde motivierter und man ist vielleicht ein bisschen selbstbewusster, dass man auf dem richtigen Weg ist, mit dem, was man schreibt. Aber ehrlich gesagt, selbst wenn alle das Buch doof gefunden hätten, hätte ich weiter meine Geschichten in den Rechner gehackt und darauf gehofft, dass sie irgendwann mal Leser finden, die sie lieb haben.

Wie hat sich der Preis auf den Erfolg der Lizzy Carbon Reihe ausgewirkt, auf die Nachfra- ge nach Ihnen, für Lesungen, Quizabende ...?
Mario Fesler: Der Preis katapultiert einen zwar nicht umgehend auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste, aber ich glaube schon, dass dadurch etliche auf Lizzy aufmerksam geworden sind, die sie vielleicht sonst übersehen hätten. Sie hält sich zumindest sehr wacker im doch oft auch schnelllebigen Buchgeschäft. Und die Anfragen für Lesungen in Schulen und Bibliotheken haben merklich zugenommen – da hat man offensichtlich ganz gerne einen Jugendliteraturpreisträger zu Gast. Für den Quizmaster Mario Fesler bringt der Preis nichts, aber da will ich eh nur noch ganz exklusiv den Berliner Lieblingspub bespielen.

In diesem Jahr erscheint mit „Lizzy Carbon und die Qual der Wahl“ bereits der dritte Lizzy Carbon Band. Wie ist die Figur der Lizzy Carbon entstanden, und wie viel Lizzy Carbon steckt in Mario Fesler?
Mario Fesler: Der Name war zuerst da und ursprünglich wollte ich mit ihr eine Art humoristische Fantasy-Saga begründen – eine Idee, die es nie so richtig aufs Papier schaffte, was vermutlich auch besser so ist. Aber als ich dann den passenden Namen für eine rotzige Heldin des Schulalltags suchte, sagte Lizzy: „So, jetzt aber.“ In ihrer Figur stecken vor allem die taffen Mädels, die mir seinerzeit die Schulzeit versüßten. Aber zugegeben, ihre an Unhöflichkeit grenzende Ehrlichkeit und hoffentlich auch ein bisschen von ihrem Humor hat sie dann wohl doch auch von mir.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.