Marc Chagall, Der Akt über Witebsk, 1933 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

MÜNSTER

Marc Chagall
Der wache Träumer
13.10.208 – 20.1.2019

Münster freut sich auf Marc Chagall. Ab 13. Oktober 2018 ist der Künstler in der Ausstellung „Marc Chagall – Der wache Träumer“ im Picasso-Museum zu sehen (13.10.18-20.01.2019). Mit rund 120 farbigen Gemälden, kolorierten Zeichnungen und Grafiken, darunter Leihgaben aus dem Centre Pompidou in Paris, dem Ikonen-Museum Recklinghausen sowie zahlreiche selten gezeigte Werke aus Privatbesitz, taucht die Ausstellung tief in Marc Chagalls phantastische Traumwelten ein und spürt zugleich seinen Inspirationsquellen in der realen Welt nach.

In Chagalls Kunstwerken scheinen die Gesetze der Schwerkraft und der Logik aufgehoben zu sein. Wie kaum einem anderen Künstler gelingt es ihm, die Wirklichkeit in eine romantische Traumwelt zu verwandeln, in der er Menschen und phantastische Wesen gemeinsam durch seine Bildräume schweben lässt.

Chagall wurde im weißrussischen Witebsk geboren und wuchs in einem jüdischen Schtetl auf. Viele seiner Bildthemen finden hier ihren Ursprung. Auch seine jiddische Muttersprache mit ihren verspielten Sprachbildern und Redensarten ist häufig die Quelle seiner „übernatürlichen“ Kunst mit ihren fliegenden Bauern und Liebespaaren.

In Chagalls Bildwelt herrscht keine Trennung zwischen dem Religiösen und dem Weltlichen. Der Künstler wuchs in der Tradition des Chassidismus auf, einer jüdischen Erweckungsbewegung. Nach der Lehre des Chassidismus gibt es nichts, worin Gott nicht ist. Die ausgestellten Werke zeigen, wie selbstverständlich und virtuos Chagall die Menschlichkeit biblischer Geschichten und das Wundersame des Alltags miteinander verwob

1922 verließ Chagall seine russische Heimat und fand in Frankreich seine lebenslange Wahlheimat. „Das Land, das die Wurzeln meiner Kunst genährt hat, war Witebsk, aber meine Kunst braucht Paris, wie ein Baum Wasser braucht“, erklärte er. In Frankreich entdeckte der Künstler eine neue Motivwelt, die er aber mit der gleichen traumhaft-phantastischen Bildlogik behandelte. „Ich bin ein Maler, der unbewusst bewusst ist.“ Diesem künstlerischen Wahlspruch Chagalls spürt die Ausstellung mit ihren zahlreichen farbenprächtigen Meisterwerken nach.

Marc Chagall, Mann-Hahn über Witebsk, 1928 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018