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DER MACHER

Beat Toniolo ist ein Kultur-Fusionist, Performancekünstler und Kulturentwickler, der womöglich im Rheinfall „auf die Welt gekommen ist“. So fasziniert, so magisch wie ihn dieser Ort seit vielen Jahren anzieht, so oft wie er aus der Ferne immer wieder in Mutter Rheinfalls Schoß zurückkommt. Man mag es sich vorstellen, fast glauben. Wie besessen arbeitet er sich am Rheinfall ab, gleichfalls ist er Quell seiner Ideen und Gedanken, die beim Blick in die Gischt sich wie die Wellen von den Felsen in sein Gehirn und von dort in die Welt stürzen.

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Er hat das Kulturherz am richtigen Fleck, die Leidenschaft für seine Ideen auf der Zunge. Beat Toniolo nimmt einen ein und stößt einen mit seinen sprudelnden Ideen vor den Kopf. Er saugt einen für seine Ideen und Projekte an und ein und rennt für sie gegen und durch Wände. „Vielleicht schieße ich manchmal über das Ziel hinaus“, lacht er. „Es geht mir immer um die Sache, um die Kunst und vor allem die Künstler, mit denen ich zusammenarbeite.“ Das sagt er mit Nachdruck und wird dabei ernst. Zu tief sitzen Kränkungen, die mit diesem, seinem missverstandenen Engagement, seinem unerbittlichen Einsatz für die Kultur und seine Künstler zusammenhängen. Er ist ein streitbarer Geist und tritt schon einmal als Erzengel Michael in seinem heutigen Wohnort in Zeitz in Sachsen-Anhalt auf, wenn es gegen die Schließung des lokalen Krankenhauses oder einen Aufmarsch der AFD geht, verliest vor dem Bundeshaus mit einem auf den Rücken geschnallten Hirschkopf öffentlich ein Pamphlet zum Umgang der Schweiz mit politischer Kunst oder lässt das Vernissage-Publikum der Art Basel statt über den roten Teppich über Lastwagenblachen aus Sarajevo paradieren, auf denen die Opfer des Krieges abgebildet sind. Es spiegelt seine Einstellung, seine Denke und sein Verständnis von Demokratie und der Möglichkeit zum offenen Wort, dass man, er, Beat Toniolo, durch Kunst und Kultur zum Aus- und Nachdruck bringen kann.

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Schaffhausen, seine Geburtsstadt, hat es nicht immer leicht mit Beat Toniolo. Andersherum machen sie es ihm auch nicht leicht. Auch weil er immer wieder mahnt, erinnert, die Hand und das Wort in die Wunden legt, für Kunst und Kultur, Gerechtigkeit und Gleichbehandlung eintritt, Verschwendung von Geldern anprangert und Ideen produziert, die den Kanton aus seiner Sicht weiterbringen. Und immer wieder der Rheinfall. Dort hat er das „Wort- und BildFestifall“ kreiert und 2003 erstmalig und dann fünfmal, zuletzt 2012, unter dem Namen Rheinfall-Festival initiiert und veranstaltet. Sein Charisma, sein unbändiger Wille und seine ansteckende Begeisterung haben viele außergewöhnliche Persönlichkeiten an den Rheinfall pilgern lassen. Er hatte den Mut und die visionäre Kreativität, eine Idee aufzunehmen, ein Festival, das Rheinfall-Festival 2012, mit einer Veranstaltung unter dem Titel „Kann Demenz Kultur lindern?“ zu beginnen und ein gesellschaftlich relevantes „Tabuthema“ in den Mittelpunkt eines Kulturanlasses zu stellen, was bis heute in der Schweiz einmalig und noch präsent ist. Unvergessen ist der von Toniolo kreierte Preis für zeitloses Schaffen, der in der Einmaligkeit etwas Ewiges hat und der 2009 an den großartigen Bruno Ganz mit einer Laudatio von Otto Sander verliehen wurde.

Auch so ein Bild, Bruno Ganz und Otto Sander, die Engel Damiel und Cassiel aus dem Film „Himmel über Berlin“ am Rheinfall, dem Lieblingsort von Beat Toniolo. Beide „schweben“ über diesem und blicken voller Freude auf einen von ihnen und halten ihm ein Plätzchen frei, für später dann. Jetzt ist erst einmal RHYALITY worüber wir mit Beat Toniolo sprachen.

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Interview
Wir sprachen mit Beat Toniolo

Wer oder was ist Rhyality?
Beat Toniolo: Es gibt den Verein Rhyality, der die „kreativen Ideen“ wie auch eigene Kulturprojekte für die Rhyality AG vorschlägt und auch in Eigenregie initiieren kann, welche die Immersive Art Hall auf dem SIG Areal, direkt oberhalb vom Rheinfall, verwaltet. Als Künstler und Kulturvermittler, der die Idee „Immersive Art Rheinfall Film und Immersive Art Halle“ seit Anfang 2018 initiiert hat und seither intensiv verfolgt, ist es mein Anliegen, auch als Vereinspräsident, hochqualitative wie faszinierende Kunst- und Kulturprojekte ins Leben zu rufen.

Wie kamen Sie auf die Idee und was erwartet die Besucher?
Beat Toniolo: Schon seit 1999 beschäftige ich mich als Künstler und Kulturvermittler mit dem Rheinfall, dies u.a. mit dem „Wort- und BildFestifall“ („Rheinfall-Festival“), welches ich 2003 bis 2012 fünfmal initiiert und organisiert habe. Es war eines der ersten 5-Sparten-übergreifenden Kunstprojekte der Schweiz mit den Genres Literatur, Musik, Schauspiel, bildende Kunst und Tanz. Aus diesen intensiven Kunsterlebnissen mit dem Naturschauspiel entstand die Idee, den Rheinfall über einem Jahr mit vier fix platzierten NIKON Kameras aufzunehmen. Pro Minute ein Bild, was dann ca. 2 Mio. Fotos für das Immersive Art Rheinfallfilm- Projekt „Der Rheinfall in 4 Jahreszeiten“ ergeben wird. Mit den Fachleuten Reto Troxler von module+ und seiner Crew, dem Immersive Art Videokünstler Devon Miles, den Tonmeistern Roli Fatzer und David Bollinger wird dann eine 40- und eine 20-minütige Version kreiert. Die 1. Immersive Art Halle der Schweiz, welche extra für diesen Film oberhalb des Rheinfalls in der histo- rischen Industriehalle SIG HALLE 1 gebaut wird, beinhaltet 28 Beamer und 90 Spezialboxen, welche die sieben Wände, den Boden wie die Decke „immersive“ (= eintauchen) bespielen.

Beat Toniolo © GF Casting Solutions, Leipzig

Musik spielt eine wichtige Rolle. Welche Künstler sind Teil von Rhyality?
Beat Toniolo: Ja, Musik ist ein sehr wichtiges Element, welches die eindrucksvollen Natur-Bilder in eine zauberhafte Musik-Bilder-Landschaft verwandelt. Es entsteht somit ein einmaliges „Seh- und Hörerlebnis“ für Jung und Alt. Dafür konnten die drei Schaffhauser Komponisten Helena Winkelman (Winter) und Silvan Loher (Sommer) für die klassischen Varianten und Thomas Silvestri für den jazzigen Frühlingsteil gewonnen werden. Der Herbstteil wird durch den YELLO Sänger Dieter Meier bespielt, was uns sehr ehrt. Die international renommierte österreichische Sopranistin Eva Lind hat das „Rheinfall-Gedicht“ der Münchner Librettistin Ursula Haas im Part von Silvan Loher eingesungen, und ein Gedicht  auf Französisch von Rainer Maria Rilke wurde als Sprechgesang von der Sopranistin Florence Renaut aufgenommen, dies für Helena Winkel- mans Komposition. Ein Kinderchor der Musikschule Schaffhausen wird auch in unterschiedlichen Passagen zu hören sein, vielleicht auch dort, wo plötzlich ein „Rheinfall-Fabelwesen“ auftaucht, on verra ...

Ist Immersive Art Kunst oder Entertainment?
Beat Toniolo: Ich denke, es ist eine gute wie sinnvolle Kombination von beidem, welche sich optimal ergänzen und somit die Inhalte, wie die Natur- und Umwelt-Thematik, einem breiten Publikum mit vielen künstlerischen Überraschungen vermitteln können. Und: Man kann immer wieder Neues entdecken, wenn die Neugierde größer als die Erwartungen ist.

Immersive Kunst zieht weltweit Tausende von Besuchern in ihren Bann. Sie hat Einzug auf der letztjährigen Buchmesse Frankfurt gehalten, das erste Immersive Art Festival in Paris wurde gefeiert. Wie sind die Erwartungen von Ihnen und Ihren Partnern, vornehmlich der Geldgeber, für den Rheinfall?
Beat Toniolo: Wie schon gesagt, Neugierde vor Erwartungen, dies ist bei mir wie auch beim Investor Hanspeter Weder gleichermaßen im Lot. Dies schätze ich sehr, wie auch seinen Mut zum Risiko und das Vertrauen diesem Pionierprojekt gegenüber, mit all den vielen tollen Akteuren und deren Fachkenntnissen, welche mit viel Verve für dieses Kunst- und Kulturprojekt brennen und sich einsetzen.

Das Gespräch führte Kai Geiger.