Außenansicht des Eingangsportals der Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle, Foto: Ralf Suerbaum

150 Jahre Hamburger Kunsthalle
Die Originale entdecken

Die Hamburger Kunsthalle zählt zu den bedeutendsten und größten Kunstmuseen in Deutschland. Ihre international einzigartige Sammlung von Kunst aus acht Jahrhunderten und zahlreiche, renommierte Sonderausstellungen ziehen jährlich hunderttausende Besucher_ innen aus aller Welt an. Erleben Sie einen faszinierenden Rundgang durch die europäische Kunstgeschichte mit Meisterwerken vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

2019 feiert die Hamburger Kunsthalle ihr 150. Jubiläum. Seit 1869 ist die einzigartige Sammlung, zusammengetragen seit jeher von den Bürger_innen der Stadt, im Zentrum Hamburgs für die Öffentlichkeit zugänglich. Entstanden ist so eines der bedeutendsten Museen Deutschlands. Im Jubiläumsjahr wird in vielfältiger und teils ungewöhnlicher Weise ein besonderer Blick auf das Museum und seine Sammlung geworfen: mit vielen Interventionen in der Sammlung, Diskussionen, der Be- teiligung des Publikums und nicht zuletzt einer großen Geburtstagsfeier

Wir sprachen mit Herrn Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, Direktor der Hamburger Kunsthalle

Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr © Hamburger Kunsthalle, Foto: Oliver Mark

Welche Bilder hängen in Ihrem Büro?

Christoph Martin Vogtherr: An Orten des Nachdenkens und der Arbeit bevorzuge ich Klarheit und Schlichtheit. Deshalb hängt in meinem Büro nur ein Bild – ein Plakat, das Thorsten Brinkmann für das Schauspielhaus gestaltet hat.

Nach welchen Kriterien haben Sie dieses ausgesucht, was machen/müs-sen die Bilder mit Ihnen machen?

Christoph Martin Vogtherr: Die Arbeit handelt von der Verengung des Horizonts durch die nationale Perspektive – eine Warnung, die für die heutige Museumsarbeit von zentraler Bedeutung ist. Sie erinnert mich immer wieder an eine unserer zentralen Aufgaben: der Ort für ein lebendiges und selbstbewusstes Europa zu sein.

Wie würde eine Werbebotschaft für die Hamburger Kunsthalle in fünf Sätzen lauten?

Christoph Martin Vogtherr: Da reicht schon weniger: Die Kunsthalle ist eine der besten Kunstsammlungen in Nordeuropa, ein lebendiger Ort der Begegnung mit der Kunst und des Austauschs. Hier können Sie die Originale unmittelbar erleben.

Sie haben in einem Interview der Hamburger Kunsthalle die Rolle als sozialer Ort zugeschrieben. Was verstehen Sie darunter?

Christoph Martin Vogtherr: Unsere Gesellschaft und unser Kontinent stehen zur Zeit in der Gefahr auseinanderzufal- len. Öffentlichen Kultureinrichtungen kommt deshalb eine besonders wichtige Rolle zu. Sie bieten einen friedlichen, sozial offenen und vielfältigen Ort, an dem wir uns vor und mit der Kunst ver- ständigen können. Unsere Aufgabe ist es, dafür das spezifische Potential der Bildenden Kunst zu entwickeln. Außerdem reflektiert die Kunst Lebenserfahrungen früherer Generationen, die es zu aktivieren gilt.

Füllt Ihr breit aufgestelltes Führungs- und Bildungsangebot diese Rolle aus?

Christoph Martin Vogtherr: Die Kunsthalle bietet ein sehr gutes, oft herausragendes Bildungs- und Vermittlungsangebot. Darauf können wir uns nicht ausruhen. Wie viele Museen ha- ben wir bisher nicht genug auf die große Diversität unserer Stadtgesellschaft reagiert, und unsere Gesellschaft ändert sich mit großer Geschwindigkeit. Wir entwickeln deshalb zur Zeit sehr bewusst und aktiv neue Formate.

KUNSTCAPTAINS – Kinderführung durch die Sammlung der Hamburger Kunsthalle mit Workshop für Kinder ab sechs Jahren © Hamburger Kunsthalle, Foto: Hanna Lenz

Beeindruckt haben mich in Ihrem Programm die „Welcome-Führungen“ und „Kunst im interreligiösen Dialog“. Was muss man sich darunter vorstellen?

Christoph Martin Vogtherr: Die ‚Welcome-Führungen‘ sind eine Einladung an geflüchtete Menschen und ihre Betreuer_innen oder Ehrenamtliche, zusammen gratis eine einstündige Tour durch die Kunsthallen-Sammlung zu machen. Bei der ‚Kunst im interreligiösen Dialog‘ diskutieren Menschen, die mit verschiedenen Religionen verbunden sind, gemeinsam grundlegende Fragen des Lebens vor Werken unserer Sammlung. Beide Formate sind für uns wichtig, weil wir eine primär christliche geprägte Kunstsammlung für eine Gesellschaft erschließen wollen, die vielfältiger geworden ist und deren Verhältnis zur Religion sich dramatisch ändert.

Was ist das „Pfund“, das die Hamburger Kunsthalle ausmacht, auf das die inhaltliche, die kuratorische Arbeit auf- baut, von der sie geleitet wird?

Christoph Martin Vogtherr: Wie viele deutsche Museen ist die Kunsthalle in einer Phase des Fragens und der Veränderung, denn die alten Modelle der Museumswelt funktionieren in der heutigen Gesellschaft immer weniger. Eine reine Fortsetzung von Traditionen ist deshalb keine Option. Auch heute besonders wichtig für unsere Arbeit ist die Qualität der Sammlung – und die Haltung des ersten Direktors der Kunsthalle, Alfred Lichtwark, der schon im 19. Jahrhundert das Museum radikal von den Besucher_innen aus gedacht hat. Hier können wir heute gut anknüpfen und uns von unserer eigenen Geschichte herausfordern lassen.

In 2019 feiert die Hamburger Kunsthalle ihr 150. Jubiläum. Wie laufen die Vorbereitungen? Was ist geplant?

Christoph Martin Vogtherr: Unser Programm für 2019 steht weitgehend. Wir werden ein vielfältiges Programm von Ausstellungen und Veranstaltungen bieten – natürlich zur Geschichte des Museums, und dann große Präsentationen dänischer und französischer Kunst. Besonders wichtig ist mir aber, dass wir noch einmal in zentralen Bereichen die Sammlungspräsentation überdenken. Sie wird vielfältiger werden und mehr mit Kontrasten arbeiten, wir werden besser Informationen bieten und die zeitgenössische Kunst umfassender präsentieren. Wenn Sie 2019 bei uns ins Haus kommen, werden Sie die Kunsthalle noch einmal neu entdecken. Die Jubiläumssaison beginnt mit einem Sommerfest am 31. August.

Kunst im interreligiösen Dialog in der Hamburger Kunsthalle vor dem Doppel ügeligen Altarretabel der Petrikirche, sog. Buxtehuder Altar (um 1390/1415) von Bertram von Minden, um 1345 – 1414/15 © Hamburger Kunsthalle, Foto: Hanna Lenz

Sie gelten als Experte für Kunst des 18. Jahrhunderts? Was fasziniert sie an dieser Epoche?

Christoph Martin Vogtherr: Das 18. Jahrhundert war neugierig, skeptisch, international und europäisch – und kann uns darin inspirieren. Die Kunst des 18. Jahrhunderts ist witzig, geistreich, sehr human und malerisch brillant. Anders als im 19. und frühen 20. Jahrhundert werden keine Gegensätze aufgebaut sondern Zweifel und Ambivalenzen zugelassen.

Wird diese Leidenschaft und Expertise erstmalig in der Ausstellung „Tiepolo, Fragonard, Goya – Die Freiheit der Malerei“ (25.10.2018 – 9.2.2020) sicht- und spürbar werden?

Christoph Martin Vogtherr: Mein erstes Projekt im Bereich des 18. Jahrhunderts hat bereits stattgefunden: die Ausstellung ‚Thomas Gainsborough. Die moderne Landschaft‘, die dieses Frühjahr in der Kunsthalle zu sehen war. Unsere Ausstellung im Jubiläumsjahr wird von Sandra Pisot kuratiert. In den 1970er und 80er Jahren war die Hamburger Kunsthalle interna- tional ein zentraler Ort für die Neueinschätzung der Kunst um 1800, die damals als Beginn der Moderne entdeckt wurde. Wir wollen im Jubiläumsjahr das damalige Thema wieder aufnehmen und nun mit Tiepolo, Fragonard und Goya eine andere Frühgeschichte der Moderne vorschlagen. Die Modernität gerade von Fragonard ist erst seit kurzem in den Blickpunkt gera- ten. Hier treffen sich meine eigene Leidenschaft und ein Schwerpunkt der Kunsthalle.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr (*1965/Uelzen) ist seit dem 1. Oktober 2016 Direktor der Hamburger Kunsthalle und damit verantwortlich für die künstlerische und wissenschaftliche Leitung des bedeutendsten und größten Kunstmuseums Norddeutschlands mit einer international einzigartigen Sammlung der Kunst vom Mittelalter bis heute. Vogtherr hat Kunstgeschichte, mittelalterliche Geschichte und klassische Archäologie in Berlin, Heidel- berg und Cambridge studiert. 1996 promovierte er an der Freien Universität Berlin mit einer Dissertation über die Gründung der Berliner Museen 1797-1835. Zunächst arbeitete er als Forschungsassistent an der Berliner Akademie der Künste, später als Volontär bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Dort war er zwischen 1997 und 2007 Kustos für französische und italienische Gemälde. In dieser Funktion leitete er von 2003 bis 2007 ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der Getty Stiftung zur Erforschung der französischen Gemälde aus der Sammlung Friedrichs des Großen. Zwischen 2007 und 2011 war er an der Londoner Wallace Collection zunächst als Kurator für Gemälde vor 1800, später als Leiter der Sammlungsabteilung tätig, 2011 wurde er der Direktor des Museums. Seit 2014 ist er Mitglied im Wissenschaftsrat des Institut national d’histoire de l’art in Paris. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der französischen und britischen Kunst des 18. Jahrhunderts und in der Geschichte des europäischen Kunstsammelns der frühen Neuzeit.

Caspar David Friedrich, Wanderer über dem Nebelmeer, um 1817, Dauerleihgabe der SHK, Foto: Elke Walford

Hamburg

Hamburger Kunsthalle
Die Originale erleben

Die Hamburger Kunsthalle zählt zu den bedeutendsten und größten Kunstmuseen in Deutschland. Ihre international einzigartige Sammlung aus 700 Jahren Kunst und zahlreiche, renommierte Sonderausstel- lungen ziehen jährlich hunderttausende Besucher_innen aus aller Welt an. Erleben Sie einen faszinie- renden Rundgang durch die europäische Kunstgeschichte mit Meisterwerken vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Edvard Munch, Mädchen auf der Brücke, 1901, Foto: Elke Walford

700 JJAHRE KUNST
Die Sammlung der Hamburger Kunsthalle 


ALTE MEISTER 

Höhepunkte der alten Meister sinddie norddeutsche mittelalterliche Malerei mit den Altären von Bertram von Minden und Meister Francke, die Werke der europäischen Renaissance von Lucas Cranach d.Ä., Hans Holbein oder Paris Bordone und das Goldene niederländische Zeitalter des 17. Jahrhunderts mit Werkenvon Rembrandt van Rijn, Pieter de Hooch oder Anton van Dyck. 


KUPFERSTICHKABINETT

Das Kupferstichkabinett der Kunsthalle schließlich gehört mit seinen mehr als 130.000 Zeichnungen und druckgraphischen Blättern zu den bedeutenden Sammlungen in Europa. 


19. JAHRHUNDERT 

Die Sammlung des 19. Jahrhunderts zählt mit ihren umfangreichen Werkgruppen von Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge, Max Liebermann sowie zentralen Werken der französischen Realisten und Impressionisten zu den wichtigsten ihrer Art. 


KLASSISCHE MODERNE

Die Sammlung der Klassischen Moderne verleiht der wechselvollen ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
ein eindrückliches Gesicht: mit herausragenden Gemälden der Brücke-Künstler, Picasso sowie bedeutenden Werkgruppen etwa von Edvard Munch, Paul Klee, Wilhelm Lehmbruck, Paula Modersohn-Becker, Lovis Corinth und Max Beckmann. 


KUNST DER GEGENWART 

Die renommierte Sammlung internationaler Kunst der Gegenwart umfasst zentrale Werke von Bruce Nauman, Gerhard Richter, Jenny Holzer, Nan Goldin, Andy Warhol, Richard Serra oder Sigmar Polke. Sie geben der Kunsthalle eine gewichtige Stimme im aktuellen Kunstgeschehen. 

Galerie der Gegenwart und Gründungsbau © Hamburger Kunsthalle, Foto: Stefan Müller