Paul Signac, Notre Dame, die Insel Saint-Louis, vom Quai de la Tournelle aus gesehen, im Sonnenlicht, 1884, Öl/Lwd., 50,5 x 79,5 cm, Von der Heydt-Museum, Wuppertal. Foto: Antje Zeis-Loi, Medienzentrum Wuppertal

Sight Seeing. Die Welt als Attraktion
bis 14.6.2020

Wie wurden der Eiffelturm, der Grand Canyon, das Schloss Neuschwanstein oder die Stadt Venedig zu „Sehenswürdigkeiten“, also zu einem berühmten Reiseziel, das man einmal selbst erleben und betrachten möchte? Im Wesentlichen durch Bilder. Angefangen bei den frühen Darstellungen der antiken Weltwunder bis hin zu den Touristenfotos auf Instagram verbreiten sich inzwischen weltweit Bilder von visuell attraktiven „Sights“. Sie wecken den Wunsch, genau dort hinzureisen, diesen besonderen Ort selbst zu sehen – und heutzutage, dort möglichst ein Selfie zu machen. Gleichzeitig werden in der Auswahl der Motive und der Art der Darstellung auch künstlerische Haltungen sichtbar und ästhetische Prinzipien demonstriert. Die Ausstellung betrachtet dieses Phänomen und widmet sich der zentralen Frage nach den Wechselwirkungen zwischen den Sehenswürdigkeiten und ihrer bildlichen Darstellung. Was erzeugt die Popularität, welche Bilder gehen in das kollektive Gedächtnis ein? Wie wichtig ist die politische oder symbolische Bedeutung eines Ortes? Welche Rolle spielten die historischen Entwicklungen des Reisens und der Techniken der Bildreproduktion? Die Ausstellung umfasst rund 150 Werken und lädt dazu ein, Sehenswürdigkeiten von der Akropolis bis zum Brandenburger Tor mit anderen Augen zu betrachten.

Liste der Künstlerinnen und Künstler
Oswald Achenbach · Ai Weiwei · L. Artigue · Daniel Berger · Erich Brill · Christo & Jeanne-Claude · Charles Robert Cockerell · Gustave Courbet · Robert Delaunay · Johann Georg von Dillis · Burhan Cahit Doĝançay · Sven Drühl · Conrad Felixmüller · Rainer Fetting · Eduard Gerhardt · G. L. Gabriel-Thieler · Markus Georg · Wilhelm Friedrich Gmelin · K. O. Götz · Andreas Gursky · Walter Hege · Friedrich Helmsdorf · Philipp Friedrich Hetsch · David Hockney · Karl Horst Hödicke · Friedrich Horner · Alexander Kanoldt · Karl Kaufmann · Albert Kiekebusch · Barbara Klemm · Josef Anton Koch · Germaine Krull · Christopher Lehmpfuhl · Roy Lichtenstein · Herbert Maschke · Hiroyuki Masuyama · Max Missmann · Siegfried Neuenhausen · Emil Nolde · Martin Parr · Giovanni · Battista Piranesi · Georg Balthasar Probst · Josef Rebell · Klaus Rinke · Roberto Rive · Maximilian Roch · HA Schult · Paul Signac · Manufaktur Stobwasser · Annelies Strba · Annette Streyl · Johann Heinrich Wilhelm Tischbein · Hans Thoma · Joseph Mallord · William Turner · Thomas Virnich · Konstantin Voit · Andy Warhol · Ernst Willers · Stefan Wewerka · Michael Wolgemut · Thomas Wrede · Yin Xiuzhen · u. a.

[ɛksˈtsɛntrɪʃ] ex zentrisch

Parallel zur Ausstellung „SIGHT SEEING“ geht die diesjährige Sammlungs-Präsentation der Idee des „Fremden“ in der Kunst nach. Dabei setzt sie bei den Werken der Brücke-Künstler Kirchner, Pechstein und Mueller an. Die Brücke versammelte mit ihrer radikal neuen Form- und Farbsprache und ihrer Hinwendung zu sogenannten ‚primitiven‘ und ‚exotischen‘ Kulturen die Exzentriker*innen ihrer Zeit. Sie riefen den Bruch mit dem zentraleuropäischen akademischen Stil und den gesellschaftlichen Normen aus und
forderten die Erneuerung von Kunst und Gesellschaft. Diese Selbstinszenierung als Außenseiter*innen der Gesellschaft ging dabei oft mit der Inszenierung von ‚Exotik‘ in ihren Bildern einher. Dafür eigneten sie sich auch außereuropäische Künste, Kulturen und Menschen an. Die Ausstellung fragt daher nach dem (kolonial) rassistisch konstruierten ‚Exotischen‘ in Verbindung mit dem Exzentrischen in den Bildwelten der sogenannten Avantgarde. Die Auswahl aus der Sammlung der Kunsthalle wird ergänzt um Werke der zeitgenössischen Kunst.

VORSCHAU 2020

HELMUT STURM
Aus der Spielzeugkiste der Wirklichkeit
20.6. – 13.9.2020

Das Werk von Helmut Sturm (1932–2008) zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der abstrakt-expressiven Malerei nach 1945 in Deutschland. Mit seiner ganz eigenen individu- ellen Bildsprache verband er spielerisch Gegenständliches und Abstraktes. Als Initiator und Mitbegründer der Künstlergruppen SPUR und GEFLECHT sowie als Mitglied der Situationistischen Internationale stand Helmut Sturm in regem Austausch mit nationalen und internationalen Künstlern, Denkern und Schrift- stellern. Die Ausstellung ist die erste umfassende Überblicks- schau zum Schaffen dieser für die deutsche Nachkriegskunst- geschichte so zentralen Position. Sie knüpft an den Bestand an Werken von Helmut Sturm und weiteren Künstlern der Gruppen SPUR und GEFLECHT an, der dank der großzügigen Schenkung von Otto van de Loo in der Sammlung der Kunsthalle Emden vorhanden ist.

wild/schön
Tiere in der Kunst
20.6. – 1.11.2020

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier könnte nicht ambi- valenter sein. Ehrfurcht und Fürsorge wechseln sich mit Angst und Tötung ab. Das weltweite Artensterben wird vielfach diskutiert und hat verheerende Auswirkungen für den gesam- ten Globus. Unser Umgang mit Tieren ist trotzdem nach wie vor geprägt von Massentierhaltung. Menschen begreifen Tiere oftmals als das Andere schlechthin, sei es als das animalisch Irrationale, sei es als unbewusstes Geschöpf in Harmonie mit der Natur. Auch in der Kunst schlägt sich dieses Verhältnis nieder. Ausgehend von der eigenen Sammlung und ergänzt mit wichtigen Leihgaben zeigt die Ausstellung verschiedenste Tierdarstellungen des 20. und 21. Jahrhunderts, die Auskunft über die unterschiedlichen Aspekte des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier geben.

MARIA CASPAR-FILSER Die Retrospektive
19.9.2020 – 17.1.2021

Die Malerin Maria Caspar-Filser (1878 –1968) war, jeweilsals einzige Frau, Gründungsmitglied der Künstlervereinigung SEMA, 1911, und der Münchener Neuen Secession, 1913. 1925 wurde sie als erste deutsche Malerin zur Professorin ernannt. Sie war mehrfach auf der Biennale in Venedig ver- treten. Die Ausstellung ist die erste große Retrospektive der Malerin, die vor ihrer Ächtung im Nationalsozialismus als herausragende deutsche Künstlerin anerkannt war. Ihre farbstarken expressionistischen Werke wurden als „entartet“ gebrandmarkt und 1937 infolge der Ausstellung „Entartete Kunst“ aus Museen und öffentlichen Sammlungen verbannt bzw. vernichtet. Sie zählte 1950 zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Künstlerbundes und erhielt als erste Malerin das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutsch- land und zahlreiche weitere Auszeichnungen. Doch die vollständige Wiederherstellung ihres Ansehens blieb bis heute aus. Es gilt, diese herausragende Malerin neu zu entdecken.