Lasar Segall, Encontro, ca. 1924, Öl auf Leinwand, 66 × 54 cm, © Acervo Museu Segall – IBRAM/MinC

Museum Global
Sammlungen des 20. Jahrhunderts in globaler Perspektive


Seit einigen Jahren hat sich der Diskurs der Bildenden Kunst zunehmend außereuropäischen Entwicklungen in der Gegenwartskunst und der Moderne zugewandt. Auch in Zukunft werden verstärkt nicht-westliche Akteure – Künstler, Kuratoren und Theoretiker – die museale Praxis mitgestalten. Vor diesem Hintergrund fördert die Kulturstiftung des Bundes mit ihrem Programm „Museum Global Projekte er Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf, der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und des Lenbachhauses München, die ihre Sammlungen der modernen Kunst in eine globale Perspektive rücken und die eigene Sammlungsgeschichte reflektieren. ier ei geht esnicht so sehr darum, Versäumnisse in der Sammlungsgeschichte der Häuser aufzuzeigen, sondern vielmehr ein neues und komplexes Bild der jeweiligen Sammlungen zu entwerfen sowie einen Ausblick auf die Zukunft der Museumseinrichtungen zu unternehmen. Die weltweiten Beziehungsgeflechte zwischen Menschen künstlerischen Strömungen und Objekten sollen sichtbar werden, die im gängigen Narrativ der Moderne bisher weitgehend vernachlässigt wurden.Die Ergebnisse der über drei Jahre laufenden Arbeits- und Forschungsprozesse sollen ab dem Jahr 2017 in Neupräsentationen der Sammlungen münden, die in den vier Häusern Dauer- und Sonderausstellungsbereiche gleichermaßen einbeziehen. Gemeinsam ist den Ausstellungsvorhaben, dass die eigenen Sammlungen im Vordergrund stehen und auf dieser Grundlage nach Anschlussmöglichkeiten mit nicht-westlicher künstlerischer Produktion gesucht wird.

„museum global“
10.11.2018 – 10.3.2019

Seit den späten 1990er Jahren wächst das Interesse an einer globalgeschichtlichen Perspektive auf die Moderne, die lange nur jene avantgardistischen Kunstrichtungen meinte, die sich im 20. Jahrhundert in Wien, Paris, Berlin und später New York entwickelten. Aber auch außerhalb der Grenzen Europas und Nordamerikas existierten Zentren der Kunstproduktion, wo eigenständige Positionen jenseits von oder in Auseinandersetzung mit der „westlichen Moderne“ formuliert wurden. Ausgehend von der 1961 gegründeten Sammlung des Landes Nordrhein-Westfalen mit ihrem westlichen Fokus lenkt das Forschungs- und Ausstellungsprojekt „museum global“ den Blick auf eine „exzentrische“ Moderne und erzählt in Mikrogeschichten von ausgewählten künstle- rischen Manifestationen, die in den Jahren zwischen 1910 und 1960 in Japan, Georgien, Brasilien, Mexiko, Indien, Nigeria oder im Libanon artikuliert wurden. Vielfältiger künstlerischer Austausch, Reisebegegnungen, Korrespondenzen, Publikationen und Ausstellungsbeteiligungen trugen zu diesen Entwicklungen bei.

Paul Klee, Omphalo-centrischer Vortrag, 1939, Krei- de und Kleisterfarbe auf Seide auf Jute, 70 x 50,5 cm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Paul Klee.
Eine Sammlung auf Reisen
13.10.2018 – 10.3.2019

1960 erwarb das Land Nordrhein- Westfalen 88 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Paul Klee. Der Ankauf galt als ein Akt der Wiedergutmachung für den Künstler, der als Professor der Düsseldorfer Kunstakademie 1933 von den Na- tionalsozialisten entlassen worden war. Das Konvolut, der Grundstock der 1961 gegründeten Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, ist nun Ausgangspunkt für die Befragung der Sammlung: Von 1966 bis 1985 nämlich reisten die Bilder um die Welt und waren u.a. 1966 in Jerusalem, 1969 in Prag, 1972 in Rio de Janeiro und 1979 in New Delhi zu sehen. Das „Universalgenie“ Klee und seine Werke waren dabei erklärtermaßen Botschaft und Botschafter der neuen Bundesrepublik Deutschland, was bislang unbekannte Materialien aus Archiven und aus den gastgebenden Institutionen eindrucksvoll bezeugen.

Saloua Raouda Choucair, Paris-Beirut, 1948, Gouache, 32 × 23,5 cm, © Saloua Raouda Choucair Foundation

Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne
10.11.2018 – 10.3.2019

Die Veröffentlichung eines programmatischen Textes in Tokio 1910, eine wegweisende Ausstellung in Moskau 1913, künstlerische Manifestationen in São Paolo 1922, internationale Begegnungen, Reisen und Dialoge stehen im Zentrum der Mikrogeschichten, die die Ausstellung „museum global. Mikrogeschichten einer exzentrischen Moderne“ erzählt. Vorgestellt werden ausgewählte Künstlerinnen und Künstler einer globalen Moderne, die in Deutschland bisher wenig beachtet wurden. In die Räume des K20, die bislang der europäischen Moderne vor- behalten waren, werden nun für einige Monate Werke von Yorozu Tetsugoro, Niko Pirosmani, Lasar Segall, Anita Malfatti, Tarsila do Amaral, Diego Rivera, Jean Charlot, Amrita Sher-Gil, Saloua Raouda Choucair, Uche Okeke, Ben Enwonwu u.v.a. Einzug halten. Entstanden im Kontext einer exzentrischen Moderne, deuten sie die Möglichkeit anderer Perspektiven und Konstellationen an. Und sie provozieren bis heute aktuelle Fragen, die eng mit einem post- kolonialen Blick verknüpft sind: Wie entstehen nationale und kulturelle Identitäten? Wie spiegeln sich Flucht und Exil in den Werken einzelner Künstlerinnen und Künstler? Welchen kulturpolitischen Einfluss haben Reisen, Begegnung und Austausch?

OPEN SPACE
10.11.2018 – 10.3.2019

OPEN SPACE, ein von der Kunstsammlung und raumlabor Berlin eingerichteter offener Raum, wird die Ausstellung „museum global“ begleiten und das Museum zur Stadtgesellschaft öffnen: Der Zugang in das K20 wird erstmalig vom Grabbeplatz aus möglich sein. Ausgestattet mit einem Café, einer Bühne, einer Siebdruckwerkstatt sowie Angeboten für Information, Lektüre, Unterhaltung und Begegnung, ist OPEN SPACE als kostenfrei zugänglicher Treffpunkt und Verhandlungsraum gedacht. OPEN SPACE lädt zu einem umfangreichen Rahmenprogramm ein, das die aktuellen sozialen und politischen Kontroversen aufgreift und die Rolle des Museums für eine Gesellschaft befragt.

Ausstellungsvorschau

K20

Towards the forest
Edvard Munch gesehen von
Karl Ove Knausgard 
12.10.2019 -  20.2.2020

Karl Ove Knausgård gilt als der bekannteste und wichtigste norwegische Autor der Gegenwart. Sein sechsbändiger autobiographischer Roman gehört weltweit zu den meist diskutierten Veröffentlichungen der letzten Jahre. Der auch in Kunstgeschichte ausgebildete Schriftsteller hat sich dem Künstler Edvard Munch genähert und eine ungewöhnliche Auswahl aus dessen Schaffen getroffen. Etwa 130 Gemälde, Arbeiten auf Papier und Skulpturen aus dem Munch Museum in Oslo eröffnen eine völlig neue Perspektive auf den wohl bekanntesten Vertreters der skandinavischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung findet parallel zur Frankfurter Buchmesse statt, die Norwegen als Gastland vorstellt.

K21

K21 Sammlung
ab 7.9.2018
Am 6. September wurde K21 als rundum erneuertes Museum für Gegenwartskunst der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wiedereröffnet. Die Sammlungspräsentation im 2. und 3. OG zeigt Kunst seit den späten 1980er Jahren. Nach Restaurierung ist Reinhard Muchas Werk „Das Deutschlandgerät“ wieder zu sehen, in der Bel Etage findet eine Ausstellung der US-Künstlerin Lutz Bacher statt. Das 1. OG wird zum Ort des Austauschs. Hier wird u. a. das Archiv der Galerie Fischer eingerichtet. Unter der Kuppel ist weiterhin „in orbit“ von Tomás Saraceno zu erleben.

Lutz Bacher. What’s Love Got to Do With It
7.9.2018 – 6.1.2019
Die US-amerikanische Künstlerin Lutz Bacher, die ihre Identität seit Beginn ihrer Laufbahn hinter einem irreführenden männlichen Pseudonym verbirgt, arbeitet konzeptuell in verschiedenen Medien. Seit den 1970er Jahren stützt sich die aus Kalifornien (Berkley) stammende und in New York lebende Künstlerin in ihren Arbeiten auf Fundobjekte und Bildmaterial der Populärkultur. In ihrer ersten musealen Einzelausstellung in Deutschland präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen frühe und aktuelle Arbeiten aus Bachers mittlerweile vier Jahrzehnte umfassenden OEuvre.

Cao Fei
6.10.2018 – 13.1.2019
Das K21 präsentiert die erste umfassende Ausstellung der in Peking lebenden Künstlerin Cao Fei in Deutschland. Die gezeigten Videos, Fotografien und Multimedia-Installationen dieser Pio- nierin der Post-Internet-Generation repräsentieren ihr gesamtes künstlerisches Schaffen. An der Schwelle zwischen Realität und Fiktion reflektieren ihre Projekte die gesellschaftliche und urbane Situation Chinas, die von ständigen, massiven Veränderungen geprägt ist.

Bild: Cao Fei, Haze and Fog 04, 2013, inkjet print on paper, Courtesy of the artist and Vitamin Creative Space, Foto: © Cao Fei

Tomás Saraceno – in orbit
Installation K21
Tomás Saraceno
Die Großinstallation „in orbit“ von Tomás Saraceno ist Markenzeichen des K21 geworden. Mehr als 150.000 Besucher haben die riesige Rauminstallation seit 2013 bestiegen. Das Kunstwerk aus 2500m2 Stahlnetzen wurde nach dem Vorbild der Spinnen erschaffen. Es erstreckt sich hoch über der Piazza des Museums und lädt zum Besteigen ein. Selten setzt ein Kunstwerk so auf die emotionale Einbeziehung des Betrachters.

Schmela Haus

Alfred Schmela zum 100. Geburtstag
24.11.2018 – 20.1.2019
Am 23. November 2018 hätte der berühmte Düsseldorfer Gale- rist Alfred Schmela seinen 100. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass veranstaltet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eine Ausstellung, die das weit verzweigte Netzwerk dieses Pio- niers der rheinländischen Kunstszene sichtbar macht.