Dr. Sara Tröster Klemm © Enrico Meyer

DR.  SARA TRÖSTER KLEMM, Leipzig, Kunsthistorikerin

#coronawiegehts

Corona hat mich auf eine irre Berg- und Talfahrt geschickt – einerseits konzentriere ich mich bewusst auf das Gute, das Sichtbare, die Natur, dort tanke ich neue Energie und frische Kräfte, aber wenn ich an die ganzen existenziellen Einschränkungen, das Anhalten jeglichen kulturellen Lebens denke, und das qualvolle Leid der Schwererkrankten, dann erlebe ich den tiefen Schmerz, den diese Pandemie in die Welt geworfen hat, als wäre es mein eigener. Auf eine Art genieße ich das verlangsamte Tempo, die Stille des Lockdowns, die klare Luft, den fehlenden Terminstress – aber es ist leider keine gesunde Stille, sondern ein rabiates, brutales Abbremsen. Es wirft aus der Bahn.

#coronawaskommt

Meine eigenen Lebenserfahrungen mit den enormen Chaoskräften der Pandemie zu verknüpfen und daraus einen Roman zu schreiben, das ist meine Antwort auf die Krise. Kann sein, dass sich das Buch zwischen eisiger Nachtschwärze und gleißender Sonnenglut bewegt.

#coronawasbrauchts

Ohne Kulturveranstaltungen gehen nicht nur die Künstler ein. Damit Kultur am Leben bleibt, braucht sie vor allem finanzielle Sicherheit. Und Freiheit. Es ist ein Paradoxon, wenn Fliegen, S-Bahnfahren und Shoppen als sicherer eingestuft werden, als ein klassisches Konzert oder eine Lesung. Vielleicht ist es eine andere Form der Anerkennung, weil es zeigt, wie kraftvoll, gefährlich, unwägbar die Kunst ist? Denn Kunst und Kultur sind Lebenselixiere der Menschheit, schon immer gewesen – keine Kultur ohne Menschen, kein Mensch ohne Kultur. Eine bittere Pille ist nicht unbedingt eine schlechtere Medizin, ganz im Gegenteil. Zuckerkram und seichte Unterhaltung sind Gift für den Geist, sie haben den gleichen Effekt auf die Seele wie fettig salziges Fastfood auf den Blutdruck. So einfach ist das.

Dr. Sara Tröster Klemm © Enrico Meyer