Robert-Walser-Säntistour 1942-05, Seelig-Carl_gross © Keystone / Robert Walser-Stiftung Bern

ROBERT WALSER, Biel,  (Schweizer Schriftsteller, 1878-1956)

Zitate Robert Walser

Unsere Zeit ist grausam mit ihrem ausgesprochenen Nützlichkeitswesen. Ausnützen, Nützlichsein, Dienlichsein sind die drei befehlshaberischen Worte der Zeit, in der wir leben. Das Edle und Schöne muß sich dem unerbittlichen Mechanismus einordnen, sonst stirbt es. Vielleicht war das übrigens immer so. Es kann sein, daß uns die Vergangenheit manchmal nur allzu schön vorkommt.

Verluste empfinden und ertragen, das ist meiner Meinung nach ein Können, eine Übung, ohne die der Mensch, mag er noch so bedeutend sein, stets ein großes Kind, eine Art weinerlicher Schreihals bleiben wird.

Die Natur ist bekanntlich in allen ihren Verkleidungen erfrischend und bezaubernd und immer des ganz und gar innigen Ansehens und Genusses wert.

An einem Stück weicher, unbekümmerter Natur zerschmettern die feinsten Kunstleistungen wie mutwillige Spritzer am unanfechtbaren Felsen. Das Gefühl meint, es zeichnen und treffen zu können: niederschlagende Täuschung. Nur der eiserne Lerneifer kann’s.

Die Dichter haben oft unheimlich lange Rüssel, mit denen sie die Zukunft vorausfühlen. Sie riechen die kommenden Ereignisse wie Schweine die Champignons.

Der spannendste Roman, den es meiner Ansicht nach gibt, ist die Weltgeschichte.

Weil es schön ist, sich zu sagen, man könne noch wachsen, finde ich das Gefühl, ich sei klein, angenehm.

 

Zitate Robert Walser © Suhrkamp Verlag