Jo Beyer © Michael Schrodt

JO BEYER, Köln, Schlagzeuger

#coronawiegehts

Mir geht es sehr schwankend. Auf der einen Seite erzeugt Corona mit all seinen Facetten Atmopshäre, die mir sehr zu schaffen macht. Die gesichtslosen Menschen auf den Straßen, das (fast) nicht vorhandene Sozialleben, die fehlenden Kulturveranstaltungen - all das fehlt mir nicht nur sehr, sondern erzeugt Atmosphären und Probleme, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Man wird auf sehr auf sich selbst zurück geworfen, was ich grundsätztlich nicht schlecht finde, allerdings ist es im Moment ein Maßlosigkeit, die es sehr erschwert. Teilweise entstehen Probleme, die letzlich nur eine Folge aus dem fehlenden Ausgleich durch ein buntes und vielfältiges Leben sind. 

Auf der anderen Seite bietet diese Zeit Chancen. Ich setze mich seit diesen Jahr viel mit mir selbst auseinander und bin mir nicht sicher ob ich im normalen Leben die Kapazitäten dafür hätte. Gleichzeitig komme mir eine Reihe neuer künstlerischer Ideen, in die ich mich im Moment voll hineingeben kann ohne Angst haben zu müssen zu wenig zu üben oder zu wenig Booking zu machen. Seit einiger Zeit interessiert mich Producing im Bereich elektronischer Musik und Filmmusik. Da probiere ich viel herum, nehme viel auf, produziere Musik und kombiniere das mit akustischem Schlagzeugspiel. Gleichzeitig merke ich wie plötzlich Raum aufgeht um den Interesse für neue Formate wie Tanzprojekte mit Livesschlagzeug oder auch Perfomances in denen gesprochene Texte mit improvisierter Musik kombiniert wird. 

#coronawaskommt

Meine größte Hoffnung ist natürlich, dass der ganzen Wahnsinn möglichst bald vorbei ist. Ich merke aber auch, dass ich mich mit alternativen Kompromissen wie Streaming oder Konzerte unter Coronabedingungen sehr schwer tue. Mir würde es besser gehen, wenn ich wüsste wann der Zeitpunkt ist, wo der Kulturbetrieb wie gewohnt wieder aufgenommen werden kann. Ich habe große Lust all die Ideen, die mir im Moment kommen, auszubauen und auch nach Corona weiterzuführen. 

#coronawasbrauchts

Damit Kultur am Leben bleibt braucht es Leute, die sie ausüben. Damit es diese Leute gibt, müssen entsprechende Bedingungen geschaffen werden und es muss finanzielle Möglichkeiten geben, damit die Kulturschaffenden überleben können.

Jo Beyer © Michael Schrodt
Jo Beyer © Michael Schrodt