Karin Kneffel, Ohne Titel, 2007. Öl auf Leinwand, 190 x 150 cm. Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Karin Kneffel
12.10.2019 – 8.3.2020

Karin Kneffels Gemälde gleichen Laboratorien der Erinnerung. 1957 geboren, gehört die Meisterschülerin Gerhard Richters zu den bedeutendsten deutschen Malerinnen der Gegenwart. Die Retrospektive wurde in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin konzipiert und in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen realisiert. Sie dokumentiert mit rund 140 Werken aus drei Jahrzehnten den Weg von fotorealistischen, überdimensionalen Gemälden von Früchten, mit denen Kneffel in den frühen 1990er-Jahren international bekannt wurde, hin zur Konstruktion von komplexen malerischen Interieurs, in denen Zeit- und Bildebenen, Kunst, Architektur und Film miteinander verschmelzen. Waren in Richters Malerei das Verwischen und die Unschärfe male- rische Mittel für die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, deutscher Vergangenheit und Kunstgeschichte, ist es bei Kneffel das Verschwommene, Spiegelnde.

Sie erschafft eine halluzinogene Malerei, die unterschiedliche Aggregatzustände annehmen kann. Man schaut wie durch be- schlagene, mit Tropfen bedeckte Scheiben in ihre Bildräume oder auf Szenerien, die sich unter einer gefrorenen Wasseroberfläche abspielen könnten. Virtuos bewegt sich Kneffels Werk an den Grenzen zwischen Abbildung und Realität, Erinnerung und Fiktion.

Oft wirken ihre Settings wie psychologisch aufgeladene Schauplätze für imaginäre Handlungen. Dabei gibt es einen ganzen Fundus an Motiven, die wie Spuren oder Symbole auch in Hitchcock-Filmen auftauchen könnten: verblühende Tulpen, put- zende Frauen, das X-förmige Kreuz. Zentral für Kneffel ist jedoch die Frage, wie wir private und kollektive Erinnerungen konservieren, uns in ihnen einrichten und welche Machtverhältnisse diese Arrangements repräsentieren. Deutlich wird dies in einer 2009 begonnenen Reihe von Gemälden, in denen sie sich mit den Stadtvillen Haus Esters und Haus Lange auseinander- setzte, die 1927/28 von Mies van der Rohe erbaut wurden. Zunächst privater Wohnsitz der Sammlerfamilien, sind die Häuser heute Ausstellungsort des Kunstmuseums Krefeld. Kneffel recherchierte nach historischen Fotos der mit Kunst und Design ausgestatteten Wohnzimmer, malte lebensgroße Ansichten und hängte sie an die entsprechenden Wände der heutigen Ausstellungs- räume – wie gespenstische Spiegel, durch die man in die Vergangenheit blickt. Dann folgte sie den Kunstwerken der Sammler zu ihren heutigen Standorten in europäischen Museen und zeigte die Skulpturen und Gemälde so, wie sie von den Institutionen präsentiert werden. Bei ihren Exkursionen blickt Kneffel auf eine von Männern dominierte Moderne, in der die Leistungen von Frauen vergessen sind – ein trügerisches Bild, das auch die Museen von heute noch widerspiegeln.

Vorschau

DIE BILDER DER BRÜDER. EINE SAMMLUNGSGESCHICHTE
21.3. - 9.8.2020

Was die Eltern Aenne und Franz Burda sammelten, förderte die Begeisterung der drei Brüder Franz, Frieder und Hubert für die Kunst. Eine Leidenschaft fürs Leben entstand.

Von Max Beckmann über Ernst Ludwig Kirchner bis zu Gabriele Münter: Es ist der deutsche Expressionismus, dem die drei Brüder Franz, Frieder und Hubert ihre erste Begegnung mit Kunst verdanken. Gesichter leuchten in starkem Pink, Körper räkeln sich in grellem Gelb, schwarze Ränder fassen die Flächen holzschnittartig ein. Es ist auch der deutsche Expressionismus, dem die Farben ihre Emanzipation von den Dingen und der Wirklichkeit verdanken, der sie in den Dienst des unmittelbaren subjektiven Ausdrucks von Emotionen, von Seelenwelten und Welterfahrung stellt.

Die Sammlung der Eltern, beide erfolgreiche Verleger und Medienunternehmer in Offenburg, lässt sie die unmittelbare Macht der Farben erleben¬ – als ein Versprechen auf eine faszinierende Welt hinter und mit den Bildern. Und gleichzeitig bestärkt und befeuert die Sammlung die drei Brüder auch, sich vom elterlichen Erbe zu emanzipieren und ihren eigenen Weg in die Kunst ihrer Zeit zu finden.

Die Ausstellung im Museum Frieder Burda spürt den Wurzeln der Sammlungstätigkeit der drei Brüder nach und zeigt zugleich die individuellen Entwicklungslinien ihrer persönlichen Begeisterung für Kunst auf. Damit schlüsselt sie auch auf, was ein Leben mit und für die Kunst  bedeuten kann. Sie wurde noch zu Lebzeiten von Frieder Burda geplant und spiegelt seinen großen persönlichen Wunsch wider, die Kunst der drei Geschwister einmal in seinem Museum in einer gemeinsamen Ausstellung zu vereinen.

Modern und expressiv ist die Inszenierung der Ausstellung, die die besondere Architektur des Gebäudes von Richard Meier berücksichtigt. Den Auftakt bildet das bekannte Bild der drei Brüder Burda von Andy Warhol, der amerikanischen Pop Art-Legende.

Sonia Gomes, To de Kooning, 2019 © Sonia Gomez

SONIA GOMES - I RISE
I’M A BLACK OCEAN, LEAPING AND WIDE
12.10.2019 - 8.3.2020
IM MEZZANIN DES MUSEUMS

My work is black, it is feminine, and it is marginal. I‘m a rebel.
- Sonia Gomes

Mit I Rise – I’m a Black Ocean, Leaping and Wide erhält die Brasilianerin Sonia Gomes im Museum Frieder Burda, Baden-Baden und im Salon Berlin ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Europa. Der Salon Berlin des Museum Frieder Burda präsentiert bis 22. Februar 2020 den ersten Teil der Ausstellung. In Baden-Baden ist nun in einer Kabinett-Ausstellung der zweite Teil der Schau zu sehen.

Sonia Gomes’ biomorphe Skulpturen sind von beunruhigender, geradezu magischer Präsenz. 1948 als uneheliche Tochter eines weißen Industriellen und einer Schwarzen geboren, wuchs sie zwischen zwei Welten auf. In ihrem Werk verarbeitet Gomes die unterschiedlichsten gefundenen oder geschenkten Materialien wie etwa alte Textilien, Treibholz, Möbel oder Wolle zu Skulpturen und raumfüllenden Installationen. Dabei entwickeln ihre Arbeiten eine Eigenwilligkeit, formale Virtuosität und Materialität, die aus Volkskunst und spirituellen afrikanischen Traditionen, der Formensprache des Surrealismus, der brasilianischen Moderne und der aktuellen Gegenwartskunst schöpfen. 

Als Auseinandersetzung mit einer Ikone des Museum Frieder Burda, dem Gemälde Untitled XV von Willem de Kooning kreierte die Künstlerin die Skulptur To De Kooning, 2019. Sonia Gomes’ Wahl der Farben und die ineinander verschlungenen Windungen lassen beide Werke in einen faszinierenden Dialog miteinander treten.

Der poetische Titel der Ausstellung ist inspiriert von Passagen aus dem Gedicht Still I Rise von Maya Angelou (1928 – 2014). Es ist ein hymnischer Protest gegen Rassismus, sexuelle Gewalt, die Marginalisierung von schwarzen Frauen und die Geschichte der Sklaverei.  Sonia Gomes gehört nach ihrer Beteiligung an der 56. Biennale in Venedig 2015 zu den einflussreichsten Künstlerinnen Brasiliens.

Zu den Ausstellungen in Berlin und Baden-Baden erscheint eine Publikation in der Edition Cantz, die neben Installationsansichten einen einführenden Text über die Künstlerin, ihr Leben und ihr Werk enthält.