DIE BILDER DER BRÜDER
Eine Sammlungsgeschichte der Familie Burda
28.3. - 30.8.2020

Eine Ausstellung mit Meisterwerken des Expressionismus aus den drei Sammlungen Frieder, Hubert und Franz Burda. In einer Inszenierung des amerikanischen Malers Carl Ostendarp.

Was die Eltern Aenne und Franz Burda sammelten, förderte die Begeisterung der drei Brüder Franz, Frieder und Hubert für die Kunst. Eine Leidenschaft fürs Leben entstand. Gesichter leuchten in starkem Pink, Körper räkeln sich in grellem Gelb, bunte Landschaften breiten sich vor dem Betrachter aus, schwarze Ränder fassen die Flächen holzschnittartig ein: Es ist der deutsche Expressionismus, dem die Farben ihre Emanzipation von den Dingen und der Wirklichkeit verdanken, der sie in den Dienst des unmittelbaren subjektiven Ausdrucks von Emotionen, von Seelenwelten und Welterfahrung stellt. Von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Gabriele Münter bis hin zu Max Beckmann: Es ist genau auch der deutsche Expressionismus, dem die drei Brüder Franz, Frieder und Hubert ihre erste Begegnung mit Kunst verdanken. Die Sammlung der Eltern, beide erfolgreiche Verleger und Medienunternehmer in Offenburg, lässt sie die unmittelbare Macht der Farben erleben – als ein Versprechen auf eine faszinierende Welt hinter und mit den Bildern. Und gleichzeitig bestärkt und befeuert die Sammlung die drei Brüder auch, sich vom elterlichen Erbe zu emanzipieren und ihren eigenen Weg in die Kunst ihrer Zeit zu finden.

Die Ausstellung im Museum Frieder Burda spürt den Wurzeln der Sammlungstätigkeit der drei Brüder nach. Damit schlüsselt sie auch auf, was ein Leben mit und für die Kunst bedeuten kann. Sie wurde noch zu Lebzeiten von Frieder Burda geplant und spiegelt seinen großen persönlichen Wunsch wider, die Kunst der drei Geschwister einmal in seinem Museum in einer gemeinsamen Ausstellung zu vereinen. Den Auftakt der Ausstellung bildet das bekannte Gruppenporträt „The Three Gentlemen“ der drei Brüder Burda von Andy Warhol, der amerikanischen Pop Art-Legende, in seinen drei farblich unterschiedlichen Varianten, von denen jeder der Brüder eine erhielt.

Expressiv und farbig ist auch die Inszenierung der Ausstellung, die die klassisch weiße Architektur des Gebäudes von Richard Meier der Macht der Farben überantwortet. Dazu wurde der amerikanische zeitgenössische Maler Carl Ostendarp (geboren 1961 in Massachusetts) eingeladen. Seine Wandmalerei baut auf ein ausgeklügeltes Farbkodierungssystem. Gleichzeitig zitiert er einen flächigen Comic-Stil, der die Farbe voll zur Geltung kommen lässt, indem er sie wie eine delikate Glasur über die Wände laufen lässt. Die davor angebrachten Werke erscheinen als zentrale Etappen im Verlauf dieser imaginären Lebenslinien mit all ihren Höhen und Tiefen. Sie fügen sich ein in die spielerisch entstehenden Kurvungen und Amplituden und werden so humorvoll in ihrer Wirkung bereichert und gesteigert. Das gesamte Museum verwandelt sich in einen für den Betrachter erlebbaren, umfassenden Farbkosmos. Ein eigener Raum wird den jungen Besuchern gewidmet sein: Die Kunstwerke werden auf deren Augenhöhe gehängt, wie es auch Andy Warhol für eine seiner Ausstellungen realisiert hat.

Eine Ausstellung über Zeitgeschichte

Alles begann mit der Farbe – das bestätigt Hubert Burda heute, ebenso wie es sein verstorbener Bruder Frieder schon früh und immer wieder aufs Neue betont hat. Hier decken sich individuelle Familien- und Sammlungsgeschichte mit Kulturgeschichte: In Zeiten heutiger Bilderfluten ist Farbe selbstverständlich und allgegenwärtig. Der Beginn des 20. Jahrhunderts und die Moderne sind jedoch von der Emanzipation der Farbe gekennzeichnet. Es begann mit dem Expressionismus. Mit der Werbung und dem Konsum zog sie in das urbane Leben und den Alltag ein. Mit den Medien beherrschte sie diese zunehmend – nicht von ungefähr hieß das bedeutende deutsche Nachkriegsmagazin aus dem Hause Burda BUNTE und war ein Versprechen auf ein farbenfroheres Leben. Und mit der Pop Art wurde dem verführerisch bunten Leben der Warenwelt endgültig gehuldigt.

Ein 60seitiges Magazin, das der Besucher der Ausstellung kostenlos erhält, verfolgt diese Entwicklungslinie in Text und Bild: Angefangen mit der Erfindung der Vierfarbmassendruck-Technologie durch das Unternehmen Burda, für deren Möglichkeiten man sich von künstlerischen Drucktechniken inspirieren ließ, bis hin zu der Idee, Andy Warhol als Herausgeber der INTERVIEW als Berater für die BUNTE nach Offenburg einzuladen, ausgehend vom Nachkriegsfamilienidyll bis hin zur Ausbildung der einzelnen Karrieren der drei Brüder wird hier die Familiengeschichte der Burdas aufgeblättert. Damit fungiert diese auch als ein Spiegel deutscher Zeit- und Nachkriegsgeschichte – im spannungsvollen Wechselspiel von Kunst und Medien, Farbe und Leidenschaft.

Vorschau 2020

PIERRE SOULAGES
12.9.2020 - 28.2.2021

Die Ausstellung zeigt Werke aus dem 80-jährigen Schaffen von Pierre Soulages, der zu den außergewöhnlichsten Künstlern der Gegenwart zählt. Seit Jahrzehnten setzt sich Soulages, der »Maler des Schwarz und des Lichts«, mit der Farbe Schwarz auseinander, mittels Struktur, Textur und Reflexion der Farbe malt er seine »Lichtbilder«.
Pierre Soulages, 1919 im südfranzösischen Rodez geboren, ist der mit Abstand bekannteste lebende Künstler in Frankreich und der letzte herausragende Vertreter der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts sowie des Abstrakten Expressionismus nach 1945. Auch hundertjährig ist er noch künstlerisch tätig und nach wie vor einer der produktivsten Maler der Gegenwart.
Das Musée du Louvre ehrt Soulages zu seinem 100. Geburtstag seit  Dezember 2019 mit einer einzigartigen Einzelausstellung wesentlicher Hauptwerke seit 1950, diese Ehre wurde bisher nur Pablo Picasso und Marc Chagall zuteil. Die Ausstellung im Museum Frieder Burda geht dem Wunsch des Künstlers nach, vom runden Geburtstag aus in die Zukunft zu blicken. Im lichtdurchfluteten Museum Frieder Burda, der »weißen Villa im Park«, ist die Präsentation der Werke von Pierre Soulages von besonderem Reiz.

Die Ausstellung zeigt Werke aus dem 80-jährigen Schaffen von Pierre Soulages, der zu den außergewöhnlichsten Künstlern der Gegenwart zählt. Seit Jahrzehnten setzt sich Soulages, der »Maler des Schwarz und des Lichts«, mit der Farbe Schwarz auseinander, mittels Struktur, Textur und Reflexion der Farbe malt er seine »Lichtbilder«.
Pierre Soulages, 1919 im südfranzösischen Rodez geboren, ist der mit Abstand bekannteste lebende Künstler in Frankreich und der letzte herausragende Vertreter der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts sowie des Abstrakten Expressionismus nach 1945. Auch hundertjährig ist er noch künstlerisch tätig und nach wie vor einer der produktivsten Maler der Gegenwart.
Das Musée du Louvre ehrt Soulages zu seinem 100. Geburtstag seit  Dezember 2019 mit einer einzigartigen Einzelausstellung wesentlicher Hauptwerke seit 1950, diese Ehre wurde bisher nur Pablo Picasso und Marc Chagall zuteil. Die Ausstellung im Museum Frieder Burda geht dem Wunsch des Künstlers nach, vom runden Geburtstag aus in die Zukunft zu blicken. Im lichtdurchfluteten Museum Frieder Burda, der »weißen Villa im Park«, ist die Präsentation der Werke von Pierre Soulages von besonderem Reiz.