Alle Fotos © Willy Meyer

Allensbach (D)

20 Jahre
Jazz am See 2018

Von Anfang an stand JAZZ am SEE für außergewöhnliche musikalische Grenzgänge, Begegnungen verschiedener Kul- turen und Genres und großer Stimmen des Jazz. Ein Konzert mit der Musikerlegende Charlie Mariano war der Beginn der Reihe. Viele weitere unvergessliche Konzerte mit beeindruckenden Künstlern aus der ganzen Welt folgten. 20 Jahre JAZZ am SEE sind ein Grund zum Feiern. Dies will Allensbach am Bodensee mit musikalischen Entdeckungen und Wiederbegegnungen und einem feinen internationalen Programm. Mit Jubiläumskonzerten DUOS!, „Young & Next“ auf der Bühne am See und Jazz Surprise zur Einstimmung. Mit Jazz und mehr und einer Fotoausstellung „Blick auf 20 Jahre JAZZ am SEE“ und in Memoriam mit einer lmischen Hommage „Charlie Marianos Jazzworld“.www.allensbach.de/kultur

Wir sprachen mit Sabine Schürnbrand, der Leiterin des Kultur- und Verkehrsbüro Allensbach, und Ihrem Mann und Filmemacher Willy Meyer, der als geschätzter Ratgeber, konstruktiver Kritiker und ehrenamtlicher Unterstützer im Hintergrund wirkt. So können Ideen und erfolgreiche Formate wachsen.

Was für Musik hört man im Hause Schürnbrand / Meyer privat? Gibt es manchmal auch Streit oder liegen Sie auf der gleichen Wellenlänge?
Sabine Schürnbrand und Willy Meyer: Wir lieben, so pauschal es klingen mag, gute Musik abseits des Mainstreams. Ob Jazz, Klassik, Alte oder Neue Musik, Weltmusik, wir sind offen und auch neugierig auf musikalische Entdeckungen. Und Jazz lässt sich nicht in Schubladen stecken. Die Musiker sind hochkompetent und meist in verschiedenen Bereichen bes- ten ausgebildet. Der Jazz bietet ihnen ein Höchstmaß an individueller Ausdrucksmöglichkeit und Freiheit. Für uns ist deshalb v.a. der Jazz pure Energie und Intensität. Zum Glück sind wir uns da einig und brauchen keine Kopfhörer. Jeder lässt sich gerne vom anderen mit Neuem überraschen. Und wenn nicht Jazz, Bach ist ohnehin der Größte. Auch das hat Groove, eigentlich war Bach der erste Jazzer.

Wie kam es zu dem Filmprojekt mit Charlie Mariano und wie hat sich aus der Begegnung und dem Film Jazz am See entwickelt?
Willy Meyer: Ich wurde von einer Stuttgarter Produktionsfirma angefragt, ob ich Lust habe, eine Dokumentation über Charlie Mariano für ARTE zu machen. Da gab’s kein Zögern. Glücklicherweise war es trotz engen Budgets möglich, mit der Musikerlegende auf deren Spuren vor Ort in Boston zu gehen. Dabei entstand auch eine große menschliche Nähe und am Ende des Drehs fragte Charlie verschmitzt, ob er nicht in Allensbach auftreten solle. Für uns eine riesige Freude und Initialzündung, die Reihe JAZZ am SEE zu begründen.

Welcher Impuls ging von der Begegnung mit Charlie Mariano für Allensbach und Ihre Arbeit aus?
Sabine Schürnbrand: Jazzkonzerte gab es schon lange vorher erfolgreich in Allensbach. Gregor Hübner, Ekkehard Rössle, das LJO und viele weitere regionale und nationale Musiker gaben Gastspiele. Ich erinnere mich an einen ganz besonderen Abend. Das Konzert direkt am See. Während einer Coltrane-Ballade el der komplette Strom aus und die Musiker spielten in totaler Finsternis das Konzert zu Ende. Das Publikum war spürbar ergriffen und gebannt. Zufällige Besucher blieben stehen, waren ganz Ohr. Das sind unvergessliche Momente. Wie gesagt, Jazz und Allensbach war schon eine frühe Allianz. Die Begegnung mit Charlie Mariano war jedoch der Impuls für eine feste Reihe unter dem Namen JAZZ am SEE - Grenzgänge Jazz und mehr.... in der Gnadenkirche. Er und übrigens auch Bernd Konrad waren die Musiker der ersten Stunde und kamen immer wieder in unterschiedlichen Formationen.

Seit 20 Jahren veranstalten Sie Jazz am See, die letzten Jahre mit stets ausverkauften Konzerten. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Sabine Schürnbrand: Es gibt kein Rezept, keine Anleitung. Die Reihe ist gewachsen und mit ihm ein offenes, neugieriges und treues Publikum. Das Besondere an der Reihe sind die Begegnungen von Musikern aus unterschiedlichen Kulturen und Genres, ein musikalischer Austausch von höchster künstlerischer Qualität, erlebbar in der dichten, fast intimen Atmosphäre der kleinen Kirche. Hier entstehen intensive Dialoge zwischen Musikern und Publikum, die beide gleichermaßen schätzen und von de- nen Musiker oft geradezu schwärmen. Die Reihe besteht nicht zuletzt aufgrund eines guten Netzwerks und viel Leidenschaft, hohen Engagements eines ganzen Teams, Unterstützern, auch seitens der Kirche. Und wir leben an einem Ort, der Kultur als fes- ten Bestandteil des Gemeindelebens begreift.

Allensbach, der Ort der kleinen Formate? Sie machen nicht nur erfolgreich Jazz?
Sabine Schürnbrand: Es gibt außer der Reihe JAZZ am SEE Kleinkunstveranstaltungen verschiedenster Art, Kultur Blind-Dates, Kammermusik, Ausstellungen und im Sommer direkt am See „umsonst & draußen“-Veranstaltungen. Ein vielseitiges Programm unter dem Titel Allensbach Hat ́s. Aber auch hier ist uns wichtig, dass Qualität und nicht nur Vorhersehbares geboten wird. Das Publikum dankt es. So gut wie alle Veranstaltungen sind ausverkauft.

Wenn Sie unbegrenzte Möglich- keiten hätten? Welche drei Kul- turideen, Wünsche würden Sie in Allensbach noch realisieren?
Sabine Schürnbrand: Ein großer Wunsch wird gerade erfüllt. Die Gemeinde plant eine neue Bühne am See, die, wenn alles glatt läuft, im nächsten Sommer bespielt werden kann. Eine Vision gibt es natürlich dennoch, tatsächlich einen größeren Veranstaltungsraum für die anderen beschriebenen Formate. Und einen Herzenswunsch haben wir, dass es weitergeht, dass sich die Reihe weiter entwickeln darf, damit wir auch 25 Jahre JAZZ am SEE feiern können und dass uns die bereichernde Nähe zu den Musikern bleibt, die hier im kleinen Allensbach große Kultur machen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Allensbach
Jazz am See

Die Gemeinde Allensbach am Untersee ist nicht nur bei Bodensee Feriengästen beliebt sondern auch immer mehr bei Jazzfans aus nah und fern. Jedes Jahr schafft es Sabine Schürnbrand vom Kultur- und Verkehrsbüro hochkarätige Musikerinnen und Musiker für Ihre Reihe Jazz am See zu gewinnen, das aufhorchen lässt. Vor allem kommen Sie gerne und oftmals wieder. Sicherlich einerseits wie magisch angezogen von dem ganz besonderen Konzertort, der kleinen, hoch über Allensbach gelegenen Gnadenkirche, von der man eine fantastische Sicht über den See und die Insel Reichenau hat, und bei der einem bei Sicht ein atemberaubendes Bergpanorama auf den
Konzertabend einstimmt. Aber es ist bestimmt auch die herzliche Gastfreundschaft von Sabine Schürnbrand und ihren Helferinnen und Helfern, die die Künstler genießen und Sie entschleunigt. Allensbach hat’s - nicht nur ein Slogan. Es ist auch ein Gefühl, das einen vor, während und nach dem, Konzert umarmt.

Wir sprachen mit Sabine Schürnbrand, Leiterin des Kultur- und Verkehrsbüros Allensbach.

Wie schaffen Sie es immer wieder hochkarätige Musiker wie Till Brönner, Curtis Stigers oder Stefano Bollani nach Allensbach zu bekommen?
Schürnbrand: Unsere Reihe JAZZ am SEE besteht seit nahezu 17 Jahren. Angefangen hat sie mit der Jazzlegende Charlie Mariano. Ich hatte damals das unschätzbare Glück, meinen Mann und Dokumentarfilmer Willy Meyer zu Filmaufnahmen für ein Portrait über diesen wunderbaren Saxofonisten nach Boston begleiten und Charlie Mariano kennenlernen zu dürfen. Aus dieser Begegnung entstand eine Freundschaft, die letztlich auch die Initialzündung für diese Reihe war. Wir hatten damals schon etliche Jazzkonzerte veranstaltet, die Reihe lag quasi auf der Hand. JAZZ am SEE ist also einerseits entstanden aus persönlichen Begegnungen. Andererseits haben wir von Anfang an auf Qualität, abseits des mainstreams gesetzt, Musiker aus verschiedenen Kulturkreisen oder Genres zusammenge- bracht, „kammermusikalische“ Formen in den Mittelpunkt gestellt. Die Reihe hat sich entwickelt, im Laufe der Jahre sind viele Jazzgrößen bei JAZZ am SEE aufgetreten und der gute Ruf in der Szene hat bewirkt, dass inzwischen Musiker und Agenturen auch auf uns zukommen.

Ihre Konzertkirche umfasst 150 – max. 220 Plätze. Wie rechnen sich solche Stars in Allensbach?
Schürnbrand: Zusammengefasst: scharf rechnen und kalkulieren und zum Glück treue Besucher und ein meist ausverkauftes Haus. Es ist nun mal nicht so, dass wir, weil wir der Kommune zugeordnet sind, ein größeres Budget zur Verfügung haben. Auch wenn Kultur bei uns einen großen Stellenwert hat, müssen wir unternehmerisch agieren. Und in der Tat, unsere Raumkapazität ist begrenzt. Das eine oder andere Konzert können wir uns deshalb schweren Herzens nicht leisten. Aber wir haben ein neugieriges, offenes Publikum, ein über das Maß hinaus engagiertes Team, ehrenamtliche Helfer, eine Kirchengemeinde, die das Engagement mitträgt und die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, nicht zuletzt eine politische Gemeinde, die uns Freiheit in der Programmge-staltung lässt und vor allem Musiker/innen, die gerne kommen und gerade die intime Atmosphäre schätzen. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an alle.

Wie wichtig ist Kultur, die Jazz am See Reihe für den Tourismus in Allensbach?
Schürnbrand: Allensbach ist ein lebendiger Ort und Kultur hat, wie gesagt, einen hohen Stellenwert in der Gemeinde, sie ist vielerorts spürbar, viele Bürger/ innen, Vereine, Initiativen identifizieren sich. Allensbach Hat´s ist unser selbstbewusster Slogan und JAZZ am SEE ist neben anderen Veranstaltungsreihen zu einer Marke, zu einem Renomée geworden, das auch den Tourismus befördert. Unser Publikum kommt aus dem Ort, der Region, aber auch von sehr weit her, teilweise über die Landesgrenzen hinaus und nicht wenige verbinden ein Konzert mit einem Kurzurlaub bzw. genießen das Kulturprogramm während ihrer Ferientage am See.

www.allensbach.de

Was macht Jazz in Allensbach so besonders?

Till Brönner © Andreas Bitesnic

„Qualität benötigt noch immer dieselben Zutaten wie früher. Für viele Menschen ist es daher heute schon unverständlich, wie sehr Ausdauer, persönliches Engagement und erworbener Sachverstand am Ende noch immer zu langfristigem Erfolg führen können. Es gibt zu diesem Rezept meines Erachtens keine Alternative. Allensbach ist ein von mir geliebter und gern bereister Ort für ein Gastspiel, weil ich für mein Konzept dieselben Zutaten verwende und meine Musik sich hier bestmöglich entfalten kann!“

                                                                                                                                      Till Brönner, Berlin | Los Angeles

Playing at Jazz am See in the church in Allensbach feels very meaningful. Sabine and her people are highly dedicated and professional local organisers. Our audience has been very warm and deeply attentive every time. The room sounds really good, and it connects well to the content of our music.”

Tord Gustavsen

Holger Keifel

"Auf jeden Fall einer der schönsten Orte für Jazz in Deutschland. Die Gnadenkirche ist ein magischer Ort mit dem Blick über den Bodensee. Seit über 20 Jahren spiele ich in Allensbach mit verschiedensten Formationen. Dort wurde eine wunderschöne Reihe mit Jazz am See kreiert und etabliert. Das Team vom Kulturbüro hat immer Interesse an neuen Ideen und hat so auch das Publikum immer an Neues herangeführt. Einer der schönsten Allensbach Momente war mein Konzert mit Richie Beirach, Dieter Ilg und Charly Mariano."

                                                                                                                                                 Gregor Hübner, New York

Dieter Ilg © Till Brönner

„Allensbach ist einer meiner Favoriten. Ich liebte Kleinstädte schon immer. Dort hat Kultur Hand und Fuß. Ohne das professionelle und leidenschaftliche Agieren des Kulturteams unter der Regie von Sabine Schürnbrand und die Konzertreihe „Jazz am See“ würde der Bodensee vor lauter vergossener Tränen über seine Ufer treten. Und das will doch keiner, oder?“

Dieter Ilg, Freiburg

JAZZ am SEE in Allensbach ist ein wunderbares Zusammenspiel von Künstlern, Publikum und Spielort. Die evangelische Gnadenkirche bietet neben der guten Akustik ein tolles Ambiente, um jedes Konzert zum „hautnah-Erlebnis“ werden zu lassen. Das Allensbacher Publikum – Allensbacher selbst und viele Musikkenner, die von weit her kommen – ist so nah an den Künstlern, dass immer eine Verbindung aufgebaut wird, man lernt sich während des Konzertes kennen. Diese familiäre Atmosphäre wird vom Publikum, aber auch den Künstlern sehr geschätzt.

Bürgermeister Stefan Friedrich,
Gemeinde Allensbach

Das Besondere für mich von Jazz am See in Allensbach: Qualitativ hochwertige Musiker, die sich auf die besondere Atmosphäre einer modernen und doch sakralen Kirche einlassen. Dabei entsteht jedes Mal Jazz vom Feinsten. Nicht überraschend sind die Jazzkonzerte so gut wie immer ausverkauft.

Pfarrer Markus Beile
Pfarrer Ev. Gnadenkirche bis Sommer 2016